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Die Geburt Jesu – eine beinahe alltägliche Geschichte

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Wenn wir die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel einmal von dem Kitsch befreien, den kulturelles Brauchtum darüber gelegt hat, kommt eine erstaunlich alltägliche Geschichte zum Vorschein, die heute passieren könnte.

shz.de von
erstellt am 23.Dez.2013 | 20:28 Uhr

Die Geschichte erzählt von der Geburt eines Kindes unter schwierigen Bedingungen. Sie spielt in der Gegend zwischen Syrien und Ägypten, in Palästina. Damals wie heute ein Problemgebiet in der Welt.

Die Eltern sind verlobt. Die Mutter ist sehr jung. Der Verlobte ist nicht der Vater des Kindes. Er hat schon überlegt, seine Verlobte zu verlassen, weil sie von einem anderen schwanger geworden ist. Dann ist er aber doch bei ihr geblieben.

Sie mussten zumindest vorübergehend ihre Heimatstadt verlassen. Ihre Regierung will es so und nimmt keine Rücksicht auf besondere persönliche Umstände.

Da die beiden kein eigenes Zimmer finden, kommt das Kind in einer Sammelunterkunft zur Welt.

Zur Geburt des Kindes sind die Eltern nur mit dem Nötigsten ausgestattet. Ein Bett oder eine Wiege haben sie nicht. Nur Windeln. Immerhin. Sie legen das Kind in eine Futterkrippe. Es ist eine Geschichte mitten aus dem Leben: die von der Geburt Jesu in Bethlehem. Eine Geschichte aus dem Leben armer Menschen unterwegs, heute nennen wir sie Migranten. Sie haben nicht viele Möglichkeiten, über ihren Weg selbst zu bestimmen. Dort, wo ihr Kind geboren ist, in Bethlehem, können sie auch nicht lange bleiben. Sie müssen bald wieder fliehen. Der Herrscher der Gegend will ihrem Kind ans Leben. Sie sind ein Spielball politischer Gewalten.

Die Geschichte von der Geburt Jesu, die die christlichen Kirchen zu Weihnachten feiern, ist eine Migrationsgeschichte. In ihr stehen nicht Menschen mit festem Wohnsitz im Mittelpunkt. Sie handelt von Menschen, die in einer Behelfsunterkunft Platz für die Nacht finden.

Die Evangelisten Lukas und Matthäus haben die Geschichte von der Menschwerdung Gottes mitten ins Leben einfacher Menschen auf erzwungener Wanderschaft hineingelegt. Gott, der Schöpfer, dem alles untertan ist, kommt ihnen zufolge nicht in einem Palast, auch nicht in einem Tempel oder einer Kirche in die Welt. Ganz im Gegenteil begibt Gott sich in prekäre Verhältnisse, um Mensch zu werden. Mensch wie du und ich.

In dieser Geschichte scheint alle Welt in Bewegung zu geraten. Nichts ist fest und muss so bleiben, wie es ist. Selbst Gelehrte liegen falsch mit ihren Erkenntnissen. Das zeigt sich an drei Weisen aus dem Morgenland, den heiligen drei Königen, die einem von ihnen entdeckten Stern folgen, um einem neugeborenen König zu huldigen. Sie suchen ihn in einem Palast und finden ihn in einer Hütte.

Gott schreibt auf krummen Linien gerade, besagt ein Sprichwort. An der Weihnachtsgeschichte nach Überlieferung des Matthäus- und Lukas-Evangeliums (jeweils die ersten beiden Kapitel, falls Sie es nachlesen möchten) wird erkennbar, was damit gemeint ist. Alles kommt anders als erwartet, nichts ist perfekt, keiner weiß, wie’s weitergeht. Das ist so tröstlich, gerade für die, in deren Leben es auch nicht perfekt läuft. Gott hat es gefallen, sich als Mensch an die Seite derjenigen zu stellen, die schwach sind und den Interessen der Mächtigen ausgeliefert sind. Wer Gott nahe sein will, muss sich auf die Suche nach ihnen machen und ihn in den Hütten suchen, nicht in den Palästen, am Rande der Weltgeschichte, nicht in ihren Zentren. In den unübersichtlichen Lagen unseres Lebens, in denen noch nicht klar ist, wie es weitergehen wird, da kann Gott näher sein als dort, wo wir meinen, alles erreicht zu haben.

Es ist schön, wenn wir Weihnachten mit Familie, Freunden oder Nachbarn feiern können, die sich verstehen. Solcher Frieden ist ein Gottesgeschenk. Ich wünsche es allen Menschen. Zu denen aber, die es heute nicht friedlich haben, die sich Sorgen machen, die die Zeiten dunkel erleben, die keine Bleibe finden, zu denen kommt Gott zuerst, wie er zu Maria und Joseph gekommen ist und zu den Hirten auf dem Felde. Ihnen begegnen Engel und rufen ihnen zu: Fürchtet euch nicht. Denn euch wird heute große Freude widerfahren. Jesus ist heute geboren. Gott ist euch nahe - als Mensch mitten in eurem Leben. Frohe Weihnachten! Ihr Propst Thomas Drope, Propstei Pinneberg Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein

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