Appener Gemeindebücherei : Die Freude an den Büchern vermittelt

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Trotz Internet, Handy und Kindle ist Jutta Kaufmann um die Zukunft des Buches zumindest in Appen nicht bange. „Wir haben hier eine ideale Situation mit der Anbindung der Bücherei an die Grundschule“, erzählt sie. Die 67-Jährige übergibt also ein bestelltes Haus, wenn sie in den Ruhestand geht.

shz.de von
20. Mai 2015, 18:57 Uhr

57 Jahre gibt es die Bücherei, drei Jahrzehnte wurde sie von dem damaligen Rektor Gerhard Schlünz geleitet. Als Schülerin war Jutta Kaufmann schon Stammgast in dem kleinen Raum im alten Schulgebäude. Aus der Liebe zum Lesen wurde ein Beruf. Schlünz reiste gern und fragte die gelernte Buchhändlerin, ob sie ihn in seinen Ferien vertreten könnte. So rutschte die gebürtige Appenerin in den Job hinein und es war vor 27 Jahren keine Frage, wer die Nachfolge des Rektors bei dessen Pensionierung antreten würde.

Die Nutzung der Bücherei stieg ständig. Die Öffnungszeiten mussten ausgedehnt werden, so dass aus der ehrenamtlichen Tätigkeit eine Halbtagsstelle wurde. Lesen ist in Appen ein preiswertes Vergnügen. Erwachsene zahlen 20 Euro jährlich, Kinder gar nichts. Auch Mahnungen oder -gebühren gibt es in Appen nicht. Ein Gespräch beim Einkaufen oder ein Anruf sei viel sinnvoller, sagt die Büchereichefin.

Hauptsächlich nutzen Kinder die Einrichtung. Jedoch sind die Erwachsenen treu und lesen viel. Vernetzung ist wichtig. Lehrer kommen mit ihren Klassen, damit sich die Schüler Bücher ausleihen können. Eng wird mit den Lesemüttern kooperiert, die fast jede Klasse hat. Und in der großen Pause können die Kleinen nur vorbeischauen, sich einfach unterhalten oder spielen. „Die Kinder schalten dann total ab“, beobachtet Jutta Kaufmann.

Verändert hat sich das Ausleihverhalten. Reihen, wie „Star Wars“ oder „Die drei ???“ sind heute der Renner. Es sei schwerer geworden, den jungen Leseratten einzelne Bücher nahe zu bringen, berichtet sie. Mädchen würden sich ihre Literatur von allein suchen. Dagegen müsste sie „um jeden Jungen kämpfen“.

Mit jungen Familien hat die Herrin der Lektüre in der jüngeren Vergangenheit ein neues Klientel gewonnen. „Ein Bilderbuch kostet 13 bis 15 Euro“, rechnet sie vor. Wenn es in den Urlaub geht, würden Mütter schon mal 20 Bilderbücher auf einen Schlag ausleihen. Gut, dass Jutta Kaufmann so eine große Auswahl parat hält.

Bei den Neuen Medien hat sie „gute Spiele“ ausprobiert. Doch die sind teuer und schnell kaputt, also blieb es bei einem Versuch.

Glücklich ist Jutta Kaufmann über ihre Nachfolgerin. Christine Hold ist wie sie Buchhändlerin und hat lange beim Pinneberger „Bücherwurm“ in der Kinder- und Jugendabteilung gearbeitet.

Abschied

Für Jutta Kaufmann gibt es gleich zwei Verabschiedungen. Die Grundschule wird am Vormittag des 28. Mai etwas organisieren. Was, hat man der scheidenden Büchereileiterin natürlich nicht verraten. Am 5. Juni verabschiedet sie sich von den Lesern. Es wird in der Bücherei Kaffee für die großen und Saft für die kleinen Leser bereit stehen.

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