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Schleswig-Holstein Musik Festival : „Dick und Doof“ wird zum Kult

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Reimen kann er nicht so gut, aber die Kalauer passten wie Topf auf Deckel: „Wenn ich ein Vöglein wär’ und auch zwei Flügel hätt’, flög’ ich zu dir. Wenn ich ein Englein wär’ und auch ein Flügel hätt’, spielt’ ich Klavier.“ Und ein Engel war Stephan Graf von Bothmer, denn schließlich rettete er dem Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) und einem ausgesprochen dankbaren Publikum das letzte Konzert dieser Saison im Kreis Pinneberg.

Auftreten sollte eigentlich Cellist Eckart Runge gemeinsam mit Pianist Jaques Ammon und dem Konzertprojekt „Cello Cinema“, doch Runge erkrankte kurzfristig und stellte die SHMF-Leitung erneut vor schier unlösbare Probleme. Doch wieder mal gelang den Programmplanern vollwertiger Ersatz: Stephan Graf von Bothmer sprang ein.

Im Gepäck hatte der Stummfilmpianist seine originelle Neufassung, die alten Dick und Doof-Stummfilme – im Original heißen sie Stan und Olli, auf dem Klavier zu begleiten. Und das tat er mit witziger Moderation, die nicht aalglatt und professionell geschmiert rüberkam, sondern sympathisch unbeholfen und unaufdringlich, ohne erhobenen Zeigefinger und doch fröhlich viel Wissen aus der Zeit vermittelte, als die Bilder noch schwarzweiß auf Zelluloid gebannt wurden. Sprechen brauchten die Komiker Stan Laurel und Oliver Hardy damals auch nicht – nur in den verquersten Situationen hinfallen, die Büxen verlieren, Faxen machen und mit Torten werfen. Dazu saß in den Lichtspielhäusern ein Pianist oder gar ein ganzes Orchester. Der junge Graf mit dem Lockenkopf nutzt sein Können, um die nervenzerrenden, lustigen Dramen auf der Leinwand mit ganz eigenen musikalischen Interpretationen zu unterlegen, er zieht den Zuschauer mit seiner Musik förmlich in den Film hinein, steigert die Spannung, zeigt ganz viel Einfühlungsvermögen. Alte Stummfilme mit Live-Musik, so gekonnt gespielt – das könnte Kult werden. Der musikalische Graf ist bereits jetzt in ganz Deutschland unterwegs. Kult könnte auch Schenefeld als Gastgeber des SHMF werden. Die Stadt und ihre Kulturinitiative gab sich viel Mühe, den Schulhof in ein attraktives Festspielgelände zu verwandeln: Roter Teppich mit Fackelbeleuchtung und alten Filmplakaten auf dem Weg zum Forum und eine liebenswerte Bürgermeisterin Christiane Küchenhof, die 13 junge Flüchtlinge aus Eritrea, Afghanistan und Kenia, die in Lübeck untergebracht sind, bei ihrem von dataport und der Integrationsgruppe „Flow“ organisierten Besuch in Schenefeld herzlich begrüßte.

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erstellt am 30.Aug.2015 | 22:06 Uhr

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