Willkomm Höft : Der neue Begrüßungskapitän

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Als Pensionär hat er seinen persönlichen Traumjob ergattert: Hartmut Hoffmann gehört seit einigen Monaten zum Team der Begrüßungskapitäne in Schulau. Seitdem heißt er mehrmals im Monat große und kleinere Schiffe aus aller Herren Länder willkommen und plaudert für die „Sehleute“ aus dem Lloyd’s Register, eine Art Lexikon für Schiffe.

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15. Dezember 2014, 22:26 Uhr

Der 64-Jährige ist glücklich, wenn er in dem kleinen Raum der Kapitäne steht, auf zwei Monitoren die Schiffsbewegungen verfolgt und die Begrüßungs- oder Verabschiedungszeremonie vorbereitet. „Das hier war schon immer mein Traum“, sagte die bekennende Wasserratte.

Dass er mal zu diesem Team gehören würde, damit hat er dennoch nicht gerechnet. Und doch ging dann alles atemberaubend schnell. „Ich war noch gar nicht ganz im Ruhestand, da hatte ich den Job schon“, sagte er. Nun wird man nicht einfach so Begrüßungskapitän, denn die Gesellschaft ist eine geschlossene. Gerade mal fünf Herren gehören dazu. Nachrücken ist nur möglich, wenn jemand ausscheidet.

In Hoffmanns Fall traf genau das zu, und er passte perfekt ins Profil: Grundkenntnisse im Schifffahrtswesen brachte er ebenso mit wie die Liebe zum Wasser, allerdings kein Kapitänspatent. Das ist aber auch gar nicht nötig, selbst wenn der Titel etwas anderes vermuten lässt.

Hartmut Hoffmann hat eine Zeit lang für die Marine gearbeitet, war später im Schiffbau tätig und besitzt ein Boot, das im Wedeler Yachthafen liegt. Für seine neue Aufgabe beschäftigte er sich erstmal mit der Geschichte der Schiffsbegrüßungsanlage, die traditionell zum Schulauer Fährhaus gehört. Die jeweilige Geschäftsführung sorgt denn auch für die Verflegung und kommt für die Aufwandsentschädigung auf.

Dieses Engagement zahlt sich aus, denn die Herren im fortgeschrittenen Alter, die so freundlich Einzelheiten über jedes ein- und auslaufende Schiff preisgeben, sind die Attraktion schlechthin. Unzählige Touristen drücken sich an der großen Frontscheibe ihres Büros die Nasen platt oder drängeln sich in dem kleinen Raum, wo unzählige Bänder mit den Nationalhymnen fast aller Länder der Erde und Karteikarten mit den Daten vieler Schiffe, die immer wieder den Hamburger Hafen anlaufen, für eine andere Zeit stehen. Die Kapitäne greifen auf die modernen Techniken zurück, aber die Begrüßung und Verabschiedung spricht heute wie vor 50 Jahren der legendäre NDR-Moderator Hermann Rockmann, die Flaggen werden auf die herkömmliche Weise per Knopfdruck gedippt und für ein Gespräch mit Gästen sind Hoffmann und seine Kollegen heute so offen wie vor Jahrzehnten.

Zwei Wochen Einarbeitungszeit wurde dem Uetersener gewährt, dann wurde es Ernst. Für ihn kein Problem, auch wenn er einräumt, dass er vor seinem ersten Einsatz allein doch etwas Lampenfieber hatte. „Die Technik hat man schnell drauf“, sagte er. Längst kann er auch höflich aber bestimmt um Geduld bitten, wenn es mal eng wird. Im Sommer passieren bis zu 75 Schiffe täglich den Begrüßungspunkt Schulau, außerdem geht das Telefon unaufhörlich, weil sich etwa ein Kreuzfahrer angesagt hat und so mancher Interessierte gerne wissen möchte, wann er sich auf den Weg zur Elbe machen sollte.

„Man muss einfach die Ruhe bewahren und darf sich nicht aus dem Konzept bringen lassen“, sagte Hartmut Hoffmann.

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