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Uetersener Nachrichten

23. August 2017 | 01:03 Uhr

Ehre : Der Magier des Surrealen

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Zwei runde Männchen mit grünen Bäuchen und blauen Tellerhänden haben einander die Rücken zugedreht. Aus ihren aufgerissenen Mündern steigen Sprechblasen auf. Lippen und Rachen leuchten gelb, in der Farbe des Neids und der Lüge.

„Die Verlogenheit treibt sie auseinander, trotzdem lachen sie dabei. Die meisten merken es gar nicht mehr“, sagte Michael Jansen gestern. Der Tornescher malte die Figuren an sein Haus im Bokhorn 10. Unter ihren schwarz-rot-karierten Füßen schlängelt sich ein gelber Fluss. „Die Wächter der Moral ertrinken in ihrer Verlogenheit“, heißt das neuste Bild des freischaffenden Künstlers und Klavierlehrers – gemalt in Öl auf Mauersteinen. Ein Stück beißender Gesellschaftskritik.

Das Forschungs-Institut Bildender Künste in Bad Schmiedeberg bei Leipzig hat Jansen am Montag die Rembrandt-Plakette verliehen. Es ehrte damit die Einzigartigkeit seines Werks. Seit 1984 erhielten 43 Künstler aus Deutschland und den angrenzenden Staaten diese Auszeichnung. „Wir sind sparsam damit“, sagte Axel-Alexander Ziese gestern. Der emeritierte, 71-jährige Professor für Kunstgeschichte hatte den Preis ins Leben gerufen. Er will diejenigen hervorheben, die in der Kunst ihrem Gefühl und nicht dem Geld folgen. Einen ungewöhnlichen Weg geht auch das Institut bei der Auslobung des Preises. Die teilnehmenden Künstler stellen zwölf Monate lang 20 Gemälde auf der Internetseite art-price.eu aus – so auch Jansen. Drei Jury-Gruppen aus Künstlern, Sammlern, Kunstjournalisten und -wissenschaftlern bewerten die Werke unabhängig. Jansen stellten sie das Urteil „magna cum laude“ aus: „mit großem Lob“.

In der Begründung heißt es: „Der Künstler hat für seine Arbeiten eine eigene Bildsprache gefunden, die sich sowohl in der Farbigkeit als auch im Formenkanon vom bisher allgemein Bekannten abhebt.“ Dass er zu jedem Bild eine Geschichte verfasst, hoben die Juroren besonders hervor. Ziese stellte zudem fest, dass Jansen vor allem Kinder anspräche. „Seine Kunst ist für Heranwachsende ein Schlüsselerlebnis“, so der Professor. Der 54-Jährige selbst bezeichnet seinen Stil als „Magischen Surrealismus“. „Wichtig ist mir, dass ich mit meinen Bildern wegkomme vom Alltagsstress und hineingehe in eine andere Welt“, sagte er. Die Besinnung auf die Natur und sich selbst seien in der Gesellschaft verloren gegangen. Ziel seiner Kunst: „Ein Mensch sollte zur Menschlichkeit und Toleranz zurückfinden.“ – Haltungen, die der Mann in seiner stillen, freundlichen Art selbst ausstrahlt.

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erstellt am 25.Jun.2012 | 21:01 Uhr

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