zur Navigation springen
Uetersener Nachrichten

18. Oktober 2017 | 06:20 Uhr

Chanson : Der Knef die Stimme geliehen

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Ella Fitzgerald hat einmal über sie gesagt, Hildegard Knef sei die beste Sängerin ohne Stimme. Anna Haentjens hat der Knef jetzt ihre Stimme geliehen, und sie wäre nicht Anna Haentjens, wenn sie sich nicht gleichzeitig mit dem Menschen, dem Schicksal, der sich hinter dem 2002 verstorbenen Star verbirgt, auseinandersetzen würde.

shz.de von
erstellt am 16.Nov.2014 | 19:13 Uhr

„Mir sollten sämtliche Wunder begegnen“ nennt Anna Haentjens das nagelneue Programm, mit dem sie und der Pianist Sven Selle am Wochenende auf der Kleinkunstbühne des Elmshorner Haus 13 eine Premiere feierte, die zeigte, dass die Knef großartig in das Repertoire der Haentjens passt und hoffentlich noch oft in Deutschland zu hören sein wird.

Auch äußerlich war Anna Haentjens dieses Mal ganz große Diva: Im schwarzen, aufregend geschnittenen Mantelkleid mit großer Stoff- und Federblume, darunter blinkendes Pailletten-T-Shirt und glitzernde Leggins, dazu schwarze High-Heels, niemals unauffällig mit ihrer ungeheuren Bühnenpräsenz vor dem mit schwarzem Samt verhängten Hintergrund. Präzise und akribisch hat sie das Leben der Hildegard Knef analysiert, die Kindheit ohne den früh verstorbenen Vater, die Schwierigkeiten im Berlin der Nationalsozialisten, in der zerbombten Stadt, ihre Ausbildung in den Ufa-Studios, ihre erste große Liebe, Männer, mit denen sie ihr Leben teilte und auf die sie sich stützte, ihre Liebe zu Berlin, die Stadt, in der sie zwar nicht geboren, aber aufgewachsen war und in der sie oft nach der Rückkehr aus Hollywood begeistert gefeiert wurde.

Anna Haentjens schildert die Knef in all ihrer Zwiespältigkeit, mit ihrem Ehrgeiz, die vergangene Schönheit durch Operationen und dreifache falsche Wimpern zu erhalten, singt ihre bekannten, unbekannten und unvergänglichen Lieder („Für mich soll' s rote Rosen regnen“, „Berlin, dein Gesicht hat Sommersprossen“) aber auch unbekanntere wie das schöne Liebeslied „Lass mich bei dir sein“, interpretiert mit dem Haentjens eigenen Ausdruck, nie als reine Knef-Kopie.

Genial auch dieses Mal Sven Selle, der für seine solistischen Klaviereinlagen verdient Szenenapplaus kassierte. Von beiden eine reife Leistung, absolut sehens- und hörenswert und im Haus 13 bestens plaziert.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert