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Lesung : Der Junge, der auszog, um zu überleben

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Was ist aus dem tamilischen Jungen geworden, der sich einst auf Sri Lanka unter den Blättern einer Bananenstaude versteckte, um dem Bombenhagel zu entkommen, der große Teile seines Heimatdorfes zerstörte? Viel, muss die Antwort lauten, denn heute ist Umeswaran Arunagirinathan 37 Jahre alt, Herzchirurg und deutscher Staatsbürger. Hinter ihm liegt ein langer, oft genug schmerzvoller Weg, geprägt durch Entbehrungen, Flucht und sehr viel Angst. Seine Erlebnisse hat er in einer Autobiografie beschrieben, aus der er am Freitag in der Haseldorfer Bandreißerkate las. Ein berührender, spannender und vor allem lehrreicher Abend!

shz.de von
erstellt am 20.Mär.2016 | 20:24 Uhr

1979 wurde Dr. Umeswaran Arunagirinathan als ältestes von fünf Kindern geboren und war mithin gerade mal vier Jahre alt, als der Bürgerkrieg auf der Insel im Indischen Ozean ausbrach. Die Rebellen der Tamil Tigers und die Regierungstruppen lieferten sich bis 2009 erbitterte Kämpfe, zerstörten damit alle Strukturen in dem Inselstaat.

Als die Gefahr wuchs, von den Rebellen als Kindersoldat rekrutiert oder von den Soldaten der Regierung verschleppt zu werden, gaben seine Eltern den Jungen in die Hand eines Schleppers, der ihn ins sichere Deutschland zu einem Onkel bringen sollte. Gegen sehr viel Geld, versteht sich! „Für meine Mutter bedeutete das Entbehrungen und Einsamkeit“, sagte Arunagirinathan, dessen Geschwister ebenfalls auf die Flucht gingen und überlebten. Acht Monate war er unterwegs, seine Odyssee führte durch Singapur, Dubai, Benin, Togo, Ghana, Nigeria und Spanien. Umeswaran Arunagirinathan kam schließlich im September 1991 wohlbehalten als minderjähriger unbegleiteter Flüchtling in Deutschland an und in die Obhut seiner Verwandten in Hamburg. Er besuchte eine Schule im Brennpunkt-Stadtteil Mümmelmannsberg, beeindruckte seine Lehrer durch Zielstrebigkeit, Engagement, Klugheit und seine ebenso optimistische wie freundliche Art.

Sie waren es auch, die immer wieder seine Abschiebung verhinderten, die ihn ermunterten, nach jedem abgelehnten Asylantrag von vorne zu beginnen. Sie unterstützten ihn mit Geld und Zuwendung, auch als er sogar noch kurz vor dem Abitur in sein Heimatland zurückgebracht werden sollte.

Inzwischen steht er für das weltoffene Deutschland und engagiert sich selber in der Flüchtlingshilfe. Während der Lesung aus seiner Autobiografie mit dem Titel „Allein auf der Flucht“ warb er für Toleranz und Geduld mit den Flüchtlingen und verurteilte rechte Ideologien scharf. „Ich hätte es niemals für möglich gehalten, dass in diesem Land mit seiner Geschichte eine Partei wie die verdammte AfD bei einer Wahl 23 Prozent holt“, sagte er.

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