Entscheidung mit Bauchschmerzen : Der Geflügelhof Neumann in Tornesch macht dicht

Der Betrieb auf dem Geflügelhof Neumann und der Verkauf im Hofladen sollen bis Ende Juni in unveränderter Form weiterlaufen, betonen die Inhaberinnen, Stefanie Przibylla (l.) und Michaela Neumann.
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Der Betrieb auf dem Geflügelhof Neumann und der Verkauf im Hofladen sollen bis Ende Juni in unveränderter Form weiterlaufen, betonen die Inhaberinnen, Stefanie Przibylla (l.) und Michaela Neumann.

Der Geflügelhof Neumann in Tornesch schließt zum 30. Juni. Suche nach Nachfolger bleibt erfolglos.

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30. März 2017, 16:30 Uhr

Tornesch | „Wir haben lange mit uns gehadert, hatten viele schlaflose Nächte und haben uns sehr schwergetan.“ Im Gespräch mit den Schwestern Michaela Neumann und Stefanie Przibylla merkt man schnell, dass ihnen die Entscheidung, den Geflügelbetrieb in Tornesch-Oha aufzugeben, nicht leicht gefallen ist. Doch der Entschluss steht: Zum 30. Juni wird der Geflügelhof Neumann schließen. Bis dahin soll alles seinen gewohnten Gang gehen.

„Es ist keine Insolvenz“, betonen die Inhaberinnen. Vielmehr sei es ein ganzes Bündel an Gründen, die letztlich zum Ende des Traditionsbetriebs geführt hätten. Neumann und Przibylla nennen den Fachkräftemangel, es werde immer schwieriger, qualifiziertes Personal zu finden, die Marktveränderungen, die Kunden würden weniger Fleisch und häufiger im Supermarkt kaufen und als dritten Punkt die Geflügelgrippe, die dem Unternehmen zusetze. Zudem würden immer neue Auflagen, unter anderem vom Veterinäramt, regelmäßig für neue Kosten sorgen.

Doch es gibt noch einen weiteren Aspekt bei der Schließung, zu dem die Frauen offen stehen: Persönliche Gründe. Die 27-jährige Przibylla ist gelernte Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte. Ihre zwei Jahre ältere Schwester zahnmedizinische Fachangestellte und Einzelhandelskauffrau. Zudem haben beide jeweils zwei kleine Kinder − allerdings wenig Zeit, sich um sie zu kümmern. Dass die Schwestern in ihren jungen Jahren bereits in der ersten Reihe des Unternehmens stehen, ist einem Trauerfall in der Familie geschuldet. Vater Manfred Neumann starb im April 2015 nach schwerer Krankheit im Alter von nur 62 Jahren. Neumann hatte den Betrieb in zweiter Generation geführt. Gegründet wurde der Geflügelhof 1973 von Rosemarie und Elmar Neumann in Horst im südlichen Kreis Steinburg. Seit Ende der 1970er Jahre ist der Betrieb am heutigen Standort in Oha ansässig.

Die Geschichte des Unternehmens nun enden lassen zu müssen, war für die Schwestern nicht die erste Option. Doch die Suche nach einem Käufer, der den Geflügelhof in seiner jetzigen Form weiterführt, sei erfolglos geblieben, erläutern sie. Vielleicht liege es daran, dass der Betrieb sehr breit aufgestellt sei, mutmaßen Neumann und Przibylla. Von der Aufzucht, über Schlachtung bis hin zum Verkauf liege alles in einer Hand. Das gebe es in der Form kaum noch, berichten die Inhaberinnen. Nun wird ein Käufer für das 6,5 Hektar große Gelände gesucht.

30 Mitarbeiter sind von der Schließung betroffen

Zirka 30 Mitarbeiter arbeiten auf dem Geflügelhof, vom Schlachter über Verkäufer bis zur Reinigungskraft. „Wir sind dabei, sie zu vermitteln und setzen uns für sie ein“, sagt Neumann. Einige Beschäftigte würden zudem in Rente gehen.

Der Betrieb des Geflügelhofs, auf dem im Schnitt zirka 6000 Puten gleichzeitig aufgezogen werden, soll bis zum 30. Juni unverändert weiterlaufen. „Wir sind in gewohnter Qualität weiterhin für unsere Kunden da“, sagt Neumann. Sprich: Der Hofladen am Asperhorner Weg hat weiterhin an vier Tagen die Woche geöffnet, und auch auf den Wochenmärkten in der Region ist der Geflügelhof nach wie vor vertreten.

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