Prozessauftakt : Der Angeklagte schweigt weiter

Mit über den Kopf gezogener dunkler Kapuze und in Handschellen betrat der Angeklagte Yasin T. den Gerichtssaal. Er muss sich seit Montag vor dem Landgericht Itzehoe wegen Mordes an der 78-jährigen Minna R. verantworten. Sein Tatmotiv: Geldnot.

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02. Januar 2012, 21:18 Uhr

Am Ostermontag hatte der 25-jährige Angeklagte sich über die Terrassentür Zutritt zu der Wohnung der Rentnerin verschafft, so wirft es ihm die Staatsanwaltschaft vor. Als Minna R. den Eindringling bemerkte, soll Yasin T. die alte Frau so lange getreten haben, bis sie sich nicht mehr bewegte. Der Angeklagte durchwühlte anschließend die Räume der Wohnung nach Wertgegenständen und Bargeld und flüchtete daraufhin: mit 100 Euro Beute. Geldnot gibt der Angeklagte, der bislang beharrlich zu den Vorwürfen schweigt, als Tatmotiv an. Doch nicht nur während des Prozessauftakts, auch bei der Polizei hat Yasin T. bislang nur wenig zu den Vorwürfen zu Protokoll gegeben. Zwar räumte er ein, in der Wohnung der Rentnerin gewesen zu sein, spricht aber selbst nur von einer Auseinandersetzung mit Minna R. Zudem habe er zuvor Drogen und Alkohol konsumiert. Gekannt habe er die alte Frau zuvor nicht.

Es war nicht die erste Tat, die Yasin T. aus Geldnot begangen hatte. Zwei Wochen vor dem Mord an Minna R. soll der eher klein gewachsene Angeklagte in Hamburg eine Frau überfallen haben. Seine Beute damals: 470 Euro und Schmuck im Wert von mehr als 1500 Euro.

Der Angeklagte war erst mehrere Wochen nach dem Mord festgenommen worden. Es dauerte fast drei Monate, bis die Ermittlungsbehörden den 25-Jährigen ausfindig machen konnten. Damals wurden 10000 Euro als Belohnung aus-gesetzt. Am 5. Juli konnte Yasin T. bei seiner Freundin verhaftet werden. Seitdem sitzt er in Haft. Seine Anwälte teilten heute vor Gericht mit, dass sich ihr Mandant am zweiten Verhandlungstag selbst zu den Vorwürfen äußern werde, allerdings nicht mündlich, sondern durch eine von seinen Verteidigern verlesene schriftliche Erklärung. Fragen werde er anschließend jedoch nicht beantworten, er mache von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Fünf Tage hat das Landgericht Itzehoe unter dem Vorsitz von Richter Eberhard Hülsing für die Verhandlung angesetzt.

Nächster Verhandlungstag ist am 17. Januar.

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