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Szenisches Streitgespräch : „Der Ackermann und der Tod“

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Einen zum Totensonntag sehr passenden Kulturtermin gibt es in der Priörinnenscheune. Von 17 Uhr an wird, auf Einladung der Gesellschaft der Freunde des Klosters Uetersen, in der Priörinnenscheune (Klosterquartier) das berühmte szenische Streitgespräch „Der Ackermann und der Tod“ zu hören sein.

In seiner „Streitschrift gegen das Geschick des Todes“ lässt Schöpfer Johann von Tepl (geboren um 1350 in Wetböhmen) den Ackermann den Tod seiner geliebten, viel zu früh verstorbenen Frau, beklagen. An Margaretes Grab fordert der Ackermann den Tod zu einem dramatischen Wortgefecht auf Liebe, Leben und Tod heraus. „Der Ackermann und der Tod ist ein sprachgewaltiger Bestseller des Mittelalters, der bis heute seine Faszination und Brisanz nicht verloren hat.

Eintrittskarten für die etwa 75 Minuten dauernde Veranstaltung am 20. November gibt es zum Preis von zehn Euro (Jugendliche frei) an der Nachmittagskasse. Interpret des Streitgespräches ist der Gründer des Pantheaters Haseldorf, Michael Leye. Der Nachmittag wird von Kirchenmusiker Dr. Jörg Dehmel am Cembalo begleitet. Der promovierte Musikwissenschaftler spielt zum Thema geeignete Musik von Johann Sebastian Bach.

Historischer Hintergrund des Stückes: Von 1347 bis 1353 wütete in ganz Europa die Pest. Rund ein Drittel der Bevölkerung fiel ihr zum Opfer, somit starben rund 25 Millionen Menschen.

Im Zuge der geistigen und geistlichen Auseinandersetzung mit dieser Katastrophe entstanden die sogenannten Totentänze, Gedichte und Bilderfolgen, in denen der Tod die einzelnen Stände und Bevölkerungsgruppen ohne Unterschied zum Mitkommen auffordert. Alle Menschen waren vor dem Tod somit gleich: Sozialkritik im Mittelalter! Das Bürgertum, das Handwerk und die Gewerbetreibenden kämpften damals gegen die Vorherrschaft von Adel und Klerus. Auch die Bauern verlangten im ausgehenden 14. Jahrhundert nach sozialer Gerechtigkeit. Zu vermuten ist also, dass die wahrscheinlich 1401 entstandene Prosadichtung (Ackermann und Tod) in genau dieser Tradition steht.Der Autor des Streitgespräches war Notar, Leiter einer Lateinschule und zudem Stadtschreiber. Er war nicht nur vermögend, sondern gehörte auch zur gelehrten Oberschicht seiner Zeit.

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erstellt am 15.Nov.2011 | 19:18 Uhr

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