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Uetersener Nachrichten

22. Oktober 2017 | 21:57 Uhr

Ruhestand : Der Abschied des Dorfschmieds

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Eines der traditionellen Handwerke wird es in Appen bald nicht mehr geben. Dorfschmied Uwe Rittscher legt Hammer und Zange aus der Hand. Damit endet eine mehr als hundertjährige Firmentradition. „Mit einem weinenden und einem lachenden Auge“ geht der 63-Jährige in den Ruhestand.

shz.de von
erstellt am 24.Feb.2012 | 21:45 Uhr

In fünfter Generation übt Uwe Rittscher den Beruf des Schmieds aus, der für ihn auch ein bisschen Berufung ist. Begonnen hatte es 1815 mit Johann Rittscher, der in Pinneberg einen Betrieb eröffnete. 1911 wechselte Uwe Rittschers Großvater Heinrich nach Appen und eröffnete in dem Dorf seinen Betrieb. Die Dorfschmiede existiert also seit 101 Jahren. Der Berufsstand kam damals kurz hinter Pastor und Bürgermeister, weiß der Rentner in spe. „Ohne Schmied kein Dorfleben“, erklärt er. Damals bearbeitete er alles, was mit Eisen und Metall zu tun hatte. In Appen gab es folgerichtig zwei Schmieden. Das Beschlagen der Pferde nahm die meiste Zeit in der Huf- und Wagenschmiede in Anspruch. Zudem wurden Stahlprodukte individuell für den Kunden hergestellt, etwa Baubeschläge. Die Firmengeschichte ist in Kassenbüchern, Papieren und Fotos dokumentiert. Machmal spiegelt sich darin auch die große Geschichte wider. So kostet ein Hufbeschlag im Jahr 1920 1,50 Reichsmark. Auf dem Höhepunkt der Inflation im Jahr 1923 waren es 1,5 Millionen Reichsmark. In den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde zusätzlich eine Shell-Tankstelle eröffnet. Der Spritverkauf wurde erst in den achtziger Jahren aufgegeben. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste sein Vater Albert Rittscher das Unternehmen den modernen Zeiten anpassen. Angesichts der Mechanisierung in der Landwirtschaft wurden die Landmaschinen ein weiteres Geschäftsfeld.

Den Strukturwandel dokumentiert ein Foto aus dem Jahr 1961. Auf dem Hof des Betriebes sind drei Traktoren zu sehen – und im Hintergrund steht ein einzelnes Pferd. 1964 stieg Uwe als Lehrling in den väterlichen Betrieb ein. Heute gibt es außer ihm nur noch „drei, vier Schmiede“ im Kreis Pinneberg, die regelmäßig ihre Esse befeuern, so Uwe Rittscher. Seit 1989 gibt es den Ausbildungsberuf nicht mehr. Er ist in den des Metallbauers aufgegangen.

Demnächst zieht er zusammen mit Gattin Rebecca („ohne die Ehefrau geht es in einem Betrieb nicht“) in ihren Heimatort Horst, wo schon die beiden Kinder leben. Den Betrieb übrnimmt Jonn-Philip Cordts, den er als „würdigen und äußerst kompetenten Nachfolger“ bezeichnet. Der 31-Jährige hat 1998 bei Rittscher als Lehrling begonnen, ist heute Landmaschinen-Meister und kennt folglich Betrieb und Kunden genau.

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