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Flüchtlinge : Denen helfen, deren Leben bedroht ist

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Unter dem Titel „Flüchtlingen helfen – Zuwanderung regeln – Deutschland als Einwanderungsland gestalten“ veranstaltete die Tornescher SPD am Freitag einen Diskussionsabend im Kleinen Friedrich, mit der Wedelerin Heidi Keck auf Kreisebene, der Landtagsabgeordneten Beate Raudies und Dr. Ernst Dieter Rossmann auf Bundesebene.

Um mitzureden, waren neben SPD-Mitgliedern auch interessierte Bürgerinnen und Bürger erschienen. Den großen Flüchtlingszustrom beobachten viele Menschen mit Sorge und Angst: Reichen die Ressourcen? Wie sollen all die Fremden integriert werden? Diese und ähnliche Fragen stellten die Besucher des Diskussionsabends auch an die SPD-Politiker.

Beate Raudies sagte hierzu: „Es handelt sich hierbei um Urängste der Menschen, die verständlich sind, denn jeder möchte es gern geborgen haben.“ Dr. Rossmann stellte klar, dass er Angela Merkels Entscheidung, die Grenzen zu öffnen, für richtig hält, „man muss sich nur seine eigenen Kinder in Kriegs- und Fluchtsituationen vorstellen.“ Aber: „Auch mich verunsichert, was gerade passiert. Doch am besten überwindet man Unsicherheit, indem man selbst mitdenkt und mitgestaltet.“

Aus dem Publikum wurde eingeworfen, dass die größte Sorge vor allem die Menschen haben, die keinen Kontakt zu Flüchtlingen haben. Diesen könnte es helfen, die Begegnungsstätten von Einheimischen und Migranten einmal unverbindlich zu besuchen.

Die Landtagsabgeordnete Raudies stellte in Aussicht, dass 2016 in Schleswig-Holstein 1001 neue Lehrerstellen geschaffen werden, „obwohl das Land hier eigentlich abbauen wollte“, zudem 250 neue Stellen für Polizisten.

Eine interessante Sicht auf die Dinge vermittelte die Psychiaterin Heidi Keck. „Die Anschläge von Paris, Ankara und Beirut haben traumatisierte Flüchtlinge zutiefst verunsichert, sie haben das Erlebnis, dass ihnen der Krieg hinterherreist.“ Sie findet, dass das derzeitige Hin und Her in der Flüchtlingspolitik aufhören muss, denn das wirke wie Willkür. „Was wir versprechen, müssen wir halten.“

Dr. Rossmann verwies auf die Chance, die von jungen Migranten ausgeht: Wenn diese gut ausgebildet würden, könnten sie den Fachkräftemangel in Deutschland ausgleichen, hier gelte es zu investieren. Er positionierte sich für Registrierungszentren, für einfache kommunale Beschäftigung auch für Asylbewerber und für ein verlässliches Einwanderungsgesetz. Den Menschen in den Krisengebieten selbst müsse geholfen werden, denn wenn die Nahrungsmittel in Flüchtlingslagern um zwei Drittel gekürzt werden, müsse sich auch niemand wundern, dass die Leute nach Europa aufbrechen.

Zahlen und Fakten zur regionalen Asylsituation

Bis Ende Oktober sind der Stadt Tornesch 164 Asylbewerber zugewiesen worden. 130 davon wohnen in Unterkünften, die die Stadt stellt, 34 haben eigene Mietverträge, dazu gibt es drei Sammelunterkünfte. Hauptherkunftsländer sind Syrien, Afghanistan, Irak und Iran. Solange die Asylsuchenden sich im Asylverfahren befinden, zahlt das Land 70 Prozent und der Kreis 30 Prozent aller Kosten. Aufgrund des großen Andrangs dauern Asylverfahren derzeit außergewöhnlich lang. Erst wenn dem Asylantrag stattgegeben wurde oder die Menschen als Flüchtlinge anerkannt wurden, beziehen sie ALG II. In Tornesch sind Ehrenamtliche, die Migranten dabei helfen, sich hier zurechtzufinden, im Sprachcafé Come TOgether organisiert. Die Treffen finden jeweils freitags um 15.30 Uhr im Stadtteilbüro (Pommernstraße 91) statt.

Aktuelle Zahlen über die Flüchtlingssituation im Land gibt es täglich auf www.schleswig-holstein.de

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erstellt am 22.Nov.2015 | 21:48 Uhr

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