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Uetersener Nachrichten

13. Dezember 2017 | 16:03 Uhr

S-H Musik Festival : Den Nussknacker gerockt

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Das war kein Konzert, das war ein Ereignis. Eines, das jedem, der dabei war, unvergessen bleiben wird. Martin Grubinger groovte, rockte, trommelte, ja zauberte die Nussknacker Suite in eine ganz neue Dimension. Zwei Schlägel in jeder Hand, manchmal flitzten tausende in Sekundenschnelle auf und ab, ließen es vor den Augen des Betrachters flimmern.

shz.de von
erstellt am 12.Aug.2015 | 17:18 Uhr

Zum Konzert in der Alten Reithalle hatte er sich Verstärkung mitgebracht: Die zarten Zwillinge Ferhan und Ferzan Önder verschwanden fast vor den beiden gewaltigen Flügeln, hatten die Tasten aber spektakulär im Griff, erhielten dafür auch bereits einen ECHO Klassik. Mit Ferzan ist Grubinger verheiratet, sein Vater Martin Grubinger senior war als kurzfristige Aushilfskraft mit Comic-Einlagen und als „Roadie“ auch dabei, mit allen anderen Musikern sichtbar befreundet. Alle haben die gleiche Begeisterung für ihre Musik, der Spaß daran steckte an, sprang sehr, sehr schnell zum Publikum über.

Auf das Programm setzte Grubinger anfangs den schweren Béla Bartók, die Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug, danach das melodiöse Quartett von Steve Reich, eigentlich eher für sehr minimalistische Kompositionen bekannt. Aber hier lehrten Martin Grubinger und sein Gegenüber Leonhard Schmidinger was Percussion kann: Ungeheuer virtuos sein, den Puls beschleunigen, den Takt wechseln. So ging es auch nach der Pause weiter. Der chinesische Dirigent und Komponist Tan Dun hat das beeindruckende „Tears for Nature“ extra für Martin Grubinger geschrieben.

Und dann Tschaikowskys Nussknacker Suite, die eigentlich so gar nichts mit Percussionkunst zu tun hat. Und wer hat's erfunden? Nein, nicht die Schweizer. Schleswig-Holstein Musik Festival Intendant Dr. Christian Kuhnt war es, der den Anstoß dazu gegeben hat. Er wollte Martin Grubinger in seinem Tschaikowsky Jahr dabei haben, sogar als Solistenporträt-Künstler – aber nicht ohne Tschaikowsky, wie wäre es denn mit dem Nussknacker?

Wie immer hatte Martin Grubinger das erste Zögern in Energie umgewandelt. Sein Vater Martin Grubinger senior schrieb die Ballett-Suite, die auch ohne Tanz lebensfähig ist, für den weltbesten Percussionkünstler um. Und der nahm sie, hauchte ihr Leben ein, schüttelte sie durch, entstaubte sie gründlich und fetzte mit den Schlägeln durch sie hindurch, so sehr, dass er schon vermisst wird, als er leise zum Schluss hin von der Bühne schlich und die Zwillinge an den Flügeln den klassischen Part wieder aufnahmen. Natürlich kam er wieder und raste mit allen zusammen in ein grandioses Finale. Etliche Zugaben, das Elmshorner Publikum wollte gar nicht gehen, schließlich standing Ovations.

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