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Künstler gegen Rechtsextremismus : Dem Hass mit Kunst begegnen

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Manchmal sind es nur die kleinen Dinge, die Menschen vor dem wieder aufkommenden Fremdenhass erschrecken lassen, eine hingeworfene Bemerkung auf einer Party, ein ausrasierter Nacken mit Tattoos. Den großen Zusammenhang und das Bewusstsein, dass es bei dem Zustrom und der Integration von Flüchtlingen um Einzelschicksale von Menschen und das historische Wissen um die entsetzlichen Folgen geht, zeigte der intensive Auftakt der Benefizgala „Künstler gegen Rechtsextremismus“ in der Pinneberger Drostei.

Zusammengerufen hatte die Kreiskulturpreisträgerin des letzten Jahres, die renommierte Autorin Nikola Anne Mehlhorn aus Heidgraben, PEN-Zentrums Mitglied und für den Ingeborg-Bachmann-Preis nominiert. Mit engagiert zugunsten der Hilfsorganisation SOS Mediterranee und der Elmshorner Einrichtung „Die Burg - Frischlinge e.V.“ waren die Hamburger Autorin Verena Rabe, die sich in ihren Werken vor allen Dingen mit den Auswirkungen der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzt, der kolumbianische Menschenrechtler und Dokumentarfilmer Erik Arellana Bautista, der vor der zunehmenden Bedrohung seiner Arbeit und seiner Familie in seiner Heimat nach Deutschland floh. Mit einer eindrücklichen Videoinstallation ebenfalls dabei Künstler Arno Lösekann, der 2015 den Förderpreis erhalten hat. Musikalisch umrahmt wurde die Benefizgala vom bemerkenswerten Kirchenmusiker und Komponisten Peter Heeren, Kantor der Kirchengemeinde in Marne, der moderne Eigenkompositionen auf Gongs und dem Flügel sowie klassische Akzente setzte. Die Auftaktveranstaltung unter der Schirmherrschaft der ebenfalls gegen den Rechtsextremismus und Fremdenhass engagierten Landtagsabgeordneten Beate Raudies (SPD) sollen noch viele Veranstaltungen in ganz Schleswig-Holstein folgen. Fest stehen schon jetzt die Termine im Mai in Itzehoe, Marne und Lübeck.

In der in „Damals Rechts“ und „Heute Rechts“ aufgeteilten Veranstaltung – in der Pause servierte Meusels Landdrostei zugunsten der Hilfsorganisationen Häppchen – tief beeindruckende Beiträge der Autoren: Verena Rabe las aus ihrem Buch „Charlottes Rückkehr“ von der verzweifelten Situation der Kinder auf der Flucht, hier am Beispiel eines jüdischen Mädchens, das 1939 mit einem Kindertransport aus Berlin nach England kam. Das Entsetzen, die Eltern zu verlieren, das fremde Land, die Angst, von Nazi-Schergen gefasst zu werden stellte Rabe Party-Gesprächen gegenüber, die sie heute mit anhören muss. „Und dann lassen sie auch noch dieses Dreckspack ins Land“. Gesprochen von gebildeten Deutschen, mit knallharten Augen und Worten.

Oder Erik Arellana Bautista, der bisher noch gar nicht öffentlich zu sagen wagte, was ihn anfangs so in Deutschland erschreckte. Angekommen in Weimar erlebte er tägliche Bedrohung von Neonazis, mit Hassparolen tätowierten Glatzköpfen, sah auf Plakaten gemalte Galgen und musste seiner kleinen Tochter sagen, dass einige Spielplätze auf der Welt gefährlich sind, wenn sie nicht in dem Ort geboren ist.

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erstellt am 06.Mär.2016 | 21:41 Uhr

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