Integration : Das Trauma der Kriegskinder

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Im Kreis Pinneberg ist gestern eine groß angelegte Fortbildungsinitiative angelaufen, um Lehrkräfte und Sozialpädagogen im Umgang mit traumatisierten Kindern zu schulen. Hintergrund ist die stark gestiegene Zahl der Zuwanderer aus Kriegsgebieten. Das Qualifizierungsangebot soll in erster Linie diejenigen stärken, die in den oder für die DaZ-Zentren und -Klassen arbeiten.

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02. Juni 2015, 21:31 Uhr

40 Prozent aller Flüchtlinge, die in Deutschland ankommen, sind nach Kriegs- und Gewalterlebnissen sowie dem Verlust der Heimat traumatisiert, schätzen Fachleute wie die Pädagogin und Soziologin Yvette Carro. „Das Thema an sich ist nicht neu, damit beschäftigen sich Pädagogen schon lange. Allerdings gibt es aktuell eine völlig neue Bedarfslage“, sagte sie. Die Bandbreite der Symptome für eine Traumatisierung ist groß, reicht von großer Verschlossenheit über Kontrollverlust und Konzentrationsschwächen bis hin zu Schlafstörungen oder in seltenen Fällen auch Schüben aggressiven Verhaltens. „Nicht alle traumatisierten Mädchen und Jungen brauchen eine Therapie. Bei vielen reicht, was in der Schule passiert“, sagte Jakob Tetens vom Wendepunkt. Schon durch kleinste Interventionen im Unterricht lasse sich viel bewerkstelligen.

Damit kommt den Mitarbeitern in den Zentren für Deutsch als Zweitsprache (DaZ) eine besondere Rolle zu, sind sie doch die ersten, die Kontakt zu den Kindern bekommen. Hier werden die Jungen und Mädchen fit gemacht für den regulären Unterricht, bekommen alle Hilfen, die es braucht, um sie schnell zu integrieren.

Eine große Aufgabe, die durch die Gewalterlebnisse der Kinder zu einer Herausforderung wird. Für Psychologin Sibylle Friedrich steht im Mittelpunkt der Fortbildung deshalb auch das Ziel, die Lehrkräfte zu coachen, durch fundiertes Wissen und Vernetzung ihre Handlungssicherheit zu erhöhen.

Die Qualifizierungsinitiative, Teil des Flüchtlingspaktes von 50 Vereinen und Verbänden sowie dem Land, begann gestern mit einer Regionalkonferenz in Elmshorn und diente zunächst der Vermittlung von Grundlagenwissen. Ab Herbst folgt eine vertiefende Fortbildung. Dann wird es auch um die Selbstfürsorge, das Verhindern einer Mittraumatisierung gehen.

Ein Schritt in die richtige Richtung, darin waren sich die Fachleute gestern einig. DaZ-Koordinator Dr. Hakan Akgün betonte allerdings auch, bei dieser Fortbildungsinitiative könne es sich bestenfalls um einen Anfang handeln. „Wir sind gerade dabei, Strukturen und Netzwerke zu schaffen, die gepflegt werden müssen“, sagte er.

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