Gedenken : Das Mahnmal im Himmelmoor

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Das flache Backsteingebäude auf dem Gelände des Torfwerks im Himmelmoor hat Geschichte. Eine in großen Teilen unschöne Geschichte! In dem 1936 erbauten Haus wurden während des 2. Weltkriegs 53 jüdische Kriegsgefangene überwiegend aus Frankreich und Belgien untergebracht. Auftrag der Zwangsarbeiter: Torf stechen im Moor.

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06. Juni 2014, 18:31 Uhr

Alle überlebten die Internierung, kehrten nach Hause zurück. Das ist die gute Nachricht. Versöhnlich stimmt fast 70 Jahre nach Ende des Krieges auch die Tatsache, dass sich ein im November neu gegründeter Förderverein jetzt um die Aufarbeitung der Nazi-Geschichte des so genannten Rotsteinhauses kümmern will, und aus dem 2013 unter Denkmalschutz gestellten Gebäude eine Gedenkstätte machen möchte. Helfen könnte dabei auch die SPD-Landtagsabgeordnete Beate Raudies, die das Haus und den Förderverein, zu dessen Mitgliedern die stellvertretende Kreispräsidentin Sabine Schaefer-Maniezki gehört.

Zu denen, die im Himmelmoor als Zwangsarbeiter schufteten, gehört auch der inzwischen weit über 80 Jahre alte Belgier Henri Goldstein, der seine Erlebnisse in einem Buch verarbeitet hat. Nach ihm wurde das Rotsteinhaus inzwischen benannt, ebenso wie der Förderverein, der sich als Teil der Initiative „Selbstbewusstes Quickborn“ versteht, die die Folgen der Nazi-herrschaft in Quickborn aufarbeitet.

Raudies sagte zu, sich in Kiel nach Fördermöglichkeiten für den Verein zu erkundigen und das Anliegen der Mitglieder vorzustellen. Und dazu dürften vor allem Nutzungserleichterungen gehören. Zwar ist das Gelände des Torfwerks ebenso wie das Henri-Goldstein-Haus im Besitz des Landes Schleswig-Holstein, wurde aber an einen Pächter vergeben, der noch bis 2020 im Himmelmoor Torf stechen darf. Folglich braucht seine Genehmigung, wer das Gelände betreten möchte.

Eine schwierige Situation für den Verein, der ambitionierte Ziele verfolgt. Zunächst sollen die Räume in den Zustand von 1944 zurückversetzt werden. Dazu sollen Gegenstände, die zur Zeit in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und dem Jüdischen Museum Rendsburg zu sehen sind, zurückgeholt werden. Beate Raudies begrüßte dieses Engagement. „Es ist selten, dass es in Schleswig-Holstein komplett erhaltene Gebäudeensembles gibt, die uns noch heute einen Eindruck vom Unrecht vermitteln, das den Menschen damals angetan wurde.

Künftige Generationen müssten erfahren, was sich im Rotsteinhaus abgespielt habe, so die Politikerin. Offenheit war viele Jahre nicht mit dem Gebäude verbunden. „Die Existenz des Lagergebäudes sowie die unmenschlichen Haft- und Arbeitsbedingungen wurden totgeschwiegen“, sagte Jens-Olaf Nuckel vom Förderverein.

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