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Uetersener Nachrichten

24. Oktober 2017 | 02:58 Uhr

Zeitzeugenbesuch : Das Leben gestalten

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

„Nehmt euer Leben in die Hand. Seid selbstbewusst und stark.“ Diesen Ratschlag hat Leonore Butter den Zehntklässlern der Morreger Gemeinschaftsschule mit auf ihren Lebensweg gegeben. Die alte Dame, die in wenigen Tagen ihren 88. Geburtstag feiert, war als Zeitzeugin zu Gast, um aus ihrem ereignisreichen Leben zu berichten.

shz.de von
erstellt am 13.Jan.2016 | 18:45 Uhr

Die insgesamt 70 Schüler der drei Realschul-Abgangsklassen waren mucksmäuschenstill als Leonore Butter berichtete, was sie als Halbjüdin zur Zeit der Naziherrschaft erlebte und erlitt. Als 16-Jährige musste sie die Schule verlassen. Die weiterführende Schule zu besuchen, kam für Halbjuden nicht in Frage. Aus dem gleichen Grund zwang man sie, ihre Lehre zur Hutmacherin nach eineinhalb Jahren abzubrechen. Stattdessen wurde sie zur Arbeit in einer Metallfabrik verpflichtet. Allein durch die Begegnung mit hilfsbereiten Menschen, die ihr wohlgesonnen waren, überstand sie die Zeit unbeschadet. Ein Lehrer verbrannte ihren Abstammungsnachweis, der ihren Abtransport in ein Konzentrationslager hätte bedeuten können. Später bot ihr ein Kollege Hilfestellung an bei dem Versuch, sich in der Schweiz in Sicherheit zu bringen. Dann war der Krieg zu Ende und damit die Zeit des Naziterrors. Fortan gestaltete die inzwischen 17-Jährige ihr Leben selbst. Sie schaffte es, ihre Gesellenprüfung mit einem „Sehr gut“ abzuschließen und ihren Lebensunterhalt zu verdienen. In ihrem Beruf war Leonore Butter erfolgreich. Sie kreierte Hüte für Ida Ehre und andere Stars. Später heiratete sie und bekam vier Töchter. Heute ist sie stolz darauf, zwölffache Großmutter und zehnfache Urgroßmutter zu sein.

„Frau Butter war damals so alt wie wir heute“, sagte eine Schülerin beeindruckt. Auf ihre lebendige Art ließ die Seniorin die Jugendlichen an ihrem Leid und Kummer, aber auch an ihren schönen Erlebnissen teilhaben. Die Schüler waren gerührt und applaudierten ihr - sowohl für ihre Lebensleistung als auch für den Mut, vor ihnen zu sprechen.

Den Kontakt zu Leonore Butter hatte Geschichtslehrer Arne Claußen geknüpft. Er freute sich, dass es mit dem Besuch der Zeitzeugin gelang, Geschichte lebendig werden zu lassen.

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