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musikalisch-literarische Reise : Das empörte die braven Schweizer

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Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

2015 wurde die „Gräfin-Ilse-von-Bredow-Scheune“ saniert. Der Gesellschaft der Freunde der Adeligen Klosters Uetersen ist es nun eine große Freude, in dieser gediegenen Räumlichkeit mitten im Klosterpark zur neuen Konzertsaison einzuladen.

shz.de von
erstellt am 19.Apr.2016 | 20:17 Uhr

So öffnet sich am 1. Mai um 17 Uhr das große Scheunentor zur ersten Veranstaltung des Kon­zert­sommers 2016, und nichts liegt näher, als dass dieser Auftakt bei seinem Thema aus der Klos­ter­­geschichte schöpft.

Unweit der Scheune, jenseits des historischen Friedhofes, lugt das Konventualinnenhaus hinter Bäumen und Gesträuch hervor. Längst hat es sich herum­gesprochen, dass dort von 1770 bis zu ihrer Verheiratung im Jahre 1783 eine prominente junge Dame zu Hause war, die wegen ihres vertrauten Briefwechsels mit Deutschlands großem Dichter als „Goethes Gustchen“ in die Kulturgeschichte eingegangen ist.

Die Lebensgeschichte der einstigen Uetersener Konventualin Augusta Louise Gräfin zu Stolberg-Stolberg ist unerschöpflicher Stoff nicht nur für Lesungen. Er lässt sich auch musikalisch gestalten, war sie doch eine talentierte Klavierspielerin. Goethe erfuhr von ihr, mit welcher Leidenschaft sie am Klavier saß und sang und versorgte sie mit Liedern aus seiner Feder. Und als Freundin von Matthias Claudius sowie des Dichterkreises, der sich um ihre beiden Brüder Christian und Friedrich Leopold scharte, saß sie sowieso an der Quelle, so dass sich ihr Notenschrank ständig füllte und der Inhalt einen reichen Fundus bietet, um eine Lesung musikalisch zu ergänzen.

Zusammen mit der Sopranistin Veronika Haker und Bettina Jung am Flügel wird Elsa Plath am 1. Mai die spannende Geschichte der Reise in die Schweiz erzählen, zu der Augusta Stolbergs Brüder im Mai 1775 aufbrachen und der sich Johann Wolf­gang Goethe Hals über Kopf anschloss, um seinen in seiner Vaterstadt Frankfurt sich vor ihm auftürmenden Problemen zu entkommen. Weil die hohe Kunst des Briefschrei­bens bei den Stolbergs in vollster Blüte stand, haben Geschwister und Freunde und besonders Konventualin Gustchen Stolberg diese Excursion – „Geniereise“ genannt – so gut wie miter­lebt.

Die Tollkühnheit der jungen Männer, mit der sie Gebirge, Seen und Gletscherbäche erkundeten, machte nicht nur Schlagzeilen, sondern empörte die Schweizer Bürger: Revolutionär gekleidet, zogen sich diese jungen Wilden bei Tage splitternackt aus und badeten in jedem Gewässer am Wege.

Sie erkundeten zudem zu Fuß und auf ungebahnten Wegen das ihnen neue Land und igelten sich auf hohen Bäumen oder in Höhlen ein. Den Sankt Gotthard zu bezwingen, war eine lebensgefährliche Unternehmung und sorgte bei Geschwistern und Freunden für Entsetzen. Lieder, die der junge Goethe seiner vertrauten Brieffreundin Gustchen Stolberg nach Uetersen schickte und solche, die sie sich auf andere Weise zu beschaffen wusste, um ihrer Lieb­lingsbe­schäftigung zu frönen, sind in den Vortrag verwoben, der, unterstützt von Lichtbildern, von 17 Uhr an das Publikum zu einer amüsanten Reise in das Jahr 1775 entführen möchte. Karten zum Preis von 15 Euro sind an der Tageskasse erhältlich, die um 16.30 Uhr geöffnet wird.

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