Leihbücherei : Das 15-Quadratmeter-Reich

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Etwas mehr Platz, Du meine Güte, das wär's doch! Dann könnte sie endlich ausreichend Regale stellen, so richtig nett, dass es auch ansprechend aussieht. Endlich wäre genug Stellfläche für die mittlerweile 1200 Bücher vorhanden. Jetzt hat Evelin Schurz die Literatur in drei Reihen in die Regale gestopft und buchstäblich bis unter die Decke gestapelt.

shz.de von
04. Juli 2012, 20:26 Uhr

Ihr bleibt gar nichts anderes übrig, denn die vermutlich kleinste Leihbücherei der Region, untergebracht im Holmer Dörpshus, verfügt nur über geschätzte 15 Quadratmeter. Und die lassen sich nicht mal komplett nutzen, denn die Wände an der einen Seite des Kämmerchens sind schräg, und ein Eckchen braucht der Arbeitsplatz.

Aber gerade wenn sie mal wieder denkt, wie schön doch ein größerer Raum wäre, kommen Evelin Schurz auch Zweifel. Sie hängt an ihrem kleinen Reich mit dem ganz besonderen Charme, wo es so herrlich nach Büchern riecht und es längst nicht nur ums Lesen geht. Begegnungen und Gespräche sind Evelin Schurz mindestens ebenso wichtig, und dafür ist die gemütliche Stube ein denkbar guter Ort. Seit 1990 arbeitet sie ehrenamtlich in der Bücherei. Zu Anfang war sie noch eine von vier Damen, heute ist sie allein. Wozu sollten es auch mehr sein, denn so richtig groß ist der Andrang selten. Einmal in der Woche hat sie offiziell für eine Stunde geöffnet. Meistens werden zwei daraus.

Vor allem ältere Holmer kommen gerne, diejenigen, die noch Mario Simmel kennen und einst die Krimis von Edgar Wallace verschlangen. Inzwischen haben sie sich mit Hilfe von Evelin Schurz durch das Angebot gearbeitet. Viele Leser verlassen sich auf ihr Urteil, lassen sich von ihr dazu verführen, einmal ganz neue Autoren zu entdecken. Gerade dabei kann Evelin Schurz helfen. Die Wahl-Holmerin ist in Kanada aufgewachsen, spricht neben Deutsch Englisch und Französisch.

Ihre Kinder- und Jugendjahre wurden durch andere Autoren als die deutscher Kinder geprägt, und einige ihrer einstigen Lieblingserzähler hat sie im Bestand. Etwa James A. Michener (1948 Pulitzer-Preis für „Die Südsee“)!

Aber auch Bücher für die Enkelkinder leihen sich ihre Stammkunden aus. Der Nachwuchs findet nämlich eher selten den Weg in die Bücherkammer. Was nicht zu verstehen ist, denn es gibt eine attraktive Auswahl an Kinder- und Jugendbüchern. Darunter natürlich Klassiker wie die Geschichten von James Krüss, die Abenteuer der „Drei ???“ und die legendären Erzählungen von Enid Blyton über die „5 Freunde“.

Wer kommt, darf so viele Bücher leihen, wie er möchte, und der Rückgabetermin ist abhängig vom individuellen Lesetempo. Evelin Schurz hat da die Ruhe weg. „Ich weiß ja, wo die Bücher sind, und bisher habe ich noch jedes wieder bekommen.“ Ein simples Karteikartensystem ist die Grundlage für die Büchereiverwaltung. Computer? Braucht sie nicht und will sie nicht! Aber ein wenig mehr Platz, das wär’ dann doch irgendwann ganz nett.

Vielleicht wird dieser Wunsch in naher Zukunft sogar erfüllt. Die Gemeinde bemüht sich derzeit um den Ankauf eines nicht mehr bewirtschafteten historischen Hofes. Ob und wie er nutzbar wäre, soll eine Machbarkeitsstudie klären, an deren Finanzierung sich die AktivRegion beteiligt. Dann, so hofft man im Kulturverein, der die Bücherei betreibt, wären ja vielleicht auch größere Räume für die Literatur drin.

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