Entscheidung : Chance oder Riesen-Fiasko?

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Ein unkalkulierbares Risiko wie Stuttgart 21 oder die Hamburger Elbphilharmonie sei der Bau der Soccerhalle innerhalb des geplanten Sportzentrums am Großen Moorweg, schimpfte Frank Schöndienst (FDP) während der jüngsten Sitzung des Finanzausschusses der Stadt Tornesch am Mittwoch.

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28. Februar 2013, 18:37 Uhr

Und auch Christiane Clauß (Bündnis 90/Die Grünen) ist stocksauer. „Wir nehmen hier die Steuergelder der Bürgerinnen und Bürger in die Hand, finanzieren damit das Gewerbe eines selbstständigen Betreibers und tragen auch das gesamte Risiko. Das könnte in einem Riesen-Fiasko enden.“

Doch mit der Mehrheit von SPD und CDU gegen die Stimmen des FDP-Vertreters und der beiden Grünen wird die Empfehlung, den Sportplatz Friedlandstraße an den Großen Moorweg zu verlegen, der Ratsversammlung vorgelegt. Der Beschluss beinhaltet außerdem die Gründung eines stadteigenen Betriebes „Grundstücksgesellschaft Sportpark“ sowie den Bau, die Planung und Finanzierung eines Sportparks mit Anlage, Spielfeldern, Umkleidekabinen und Sanitärräumen, einer Drei-Feld-Soccerhalle und einem Restaurant zusammen mit dem Tornescher Sportverein FC-Union.

Was da dem Tornescher Rat vorgelegt wird, steht allerdings noch auf mehr als wackeligen Beinen und wirft – so zeigte es die Diskussion – eine Liste von Fragen auf, die schließlich von Finanzausschussvorsitzendem Artur Rieck mit dem Argument abgewürgt wurde, dass er die Zahlen für realistisch halte und daher nicht alles ausdiskutiert werden müsse. Der Soccerhallen-Planer und -Betreiber, Ex-Fußballnationalspieler Michael Rummenigge, hatte eine Marktanalyse erstellt und entsprechende Vorschläge gemacht, betreiben möchte er die geplante Anlage und das dazu gehörige Restaurant aber lieber nicht. Auf seiner Webseite wirbt er allerings schon mit den Planungen in Tornesch: www.trendsport-rummenigge.de/aktuelles/news-aktuelle-projekte/attaet-und-perspektiven-in-tornesch/ Das könne das Zentrum Torneschs und damit ein großer Anziehungspunkt für Jugendliche und Neubürger werden, jubelte Bürgermeister Roland Krügel. Christiane Clauß hingegen dämpfte dessen Erwartungen von Schlange stehenden bereitwilligen Pächtern des Restaurants und der Soccer-Halle. „Jugendliche, die aus Geldmangel den ganzen Abend an einer Cola nippeln, sind nicht der Traum eines Restaurant-Betreibers“.

Das Zahlenwerk

Uneinigkeit herrscht über Zahlen, die in den Finanzausschuss-Unterlagen genannt werden. Bürgermeister Roland Krügel spricht von 3,5 Millonen Euro, die er aus dem Verkauf des ehemaligen Sportplatz-Grundstückes in der Friedlandstraße erwartet. Das Grundstück sei für den Wohnungsbau überhaupt noch nicht erschlossen, so die Grünen. Realistisch seien daher allerhöchstens 2,5 Millionen Euro.

Unklar ist zudem, warum der Beschluss des Finanzausschusses der Stadt Tornesch vom 28. November 2012 nicht umgesetzt wurde, „dass alternativ die Möglichkeit der Einrichtung einer Genossenschaft geprüft werden soll“.

Sie hätten lediglich einen Vortrag eines Genossenschaftsberaters gehört, und dabei sei heraus gekommen, dass für eine Genossenschaft drei Teilhaber gebraucht werden. Bis dahin habe es aber nur zwei bereitwillige gegeben. Der mögliche Dritte, der Betreiber des Restaurants und der Soccer-Halle, sei ja noch nicht gefunden und damit die Genossenschaft vom Tisch gefegt. Bei dem jetzigen Finanzierungsmodell, bei der die Verlagerung des Sportplatzes und der Bau der Soccerhalle samt Restaurant mit einer Summe von 7,158 Millionen Euro gestemmt werden müssen, gibt es unterschiedliche Ansätze, wie die Zuschüsse an den FC Union als Verpächter verteilt werden. Sollte das mit den großen Gewinnen nicht funktionieren, haften die Vorstandsmitglieder, deren Familien und letztlich sogar alle Tornescher Bürger mit ihren Steuergeldern.

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