Gesprächsrunde : CDU Tornesch sagt „Nein“ zu geringeren Anforderungen

Der Tornescher CDU-Vorsitzende Daniel Kölbl (rechts) und Bürgermeisterkandidat Bernhard Janz.
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Der Tornescher CDU-Vorsitzende Daniel Kölbl (rechts) und Bürgermeisterkandidat Bernhard Janz.

Christdemokraten diskutieren das Thema Kinderbetreuung. Kita-Personal lehnt Öffnung für Bewerber mit Mittlerer Reife ab.

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15. Januar 2018, 16:30 Uhr

Tornesch | Vor der Klausurtagung des CDU-Ortsverbands am vergangenen Wochenende haben die Christdemokraten Meinungen und Wünsche von Kita-Beschäftigten und Eltern zum Thema „Moderne Anforderungen an die Kinderbetreuung“ eingeholt. In dem offenen Gespräch in der Sportsbar des Torneums ging es darum, welchen Umfang und welche Flexibilität Kinderbetreuung haben sollte, auf welche Weise eine Qualitätssteigerung möglich ist und welche Kosten für angemessen erachtet werden.

Kita-Leiter, Erzieher, Kita-Träger, Elternvertreter, interessierte Eltern, Verwaltungsmitarbeiter und Vertreter des Familienzentrums waren unter den Gästen, die der Einladung der Tornescher CDU gefolgt waren. Deren Vorsitzender Daniel Kölbl betonte, dass es in der Gesprächsrunde um das Einholen eines Stimmungsbilds gehe. Mit welchem bildungspolitischen Kurs die Christdemokraten in den Kommunalwahlkampf ziehen werden, wurde während der parteiinternen Klausurtagung diskutiert.

Mutter wünscht sich mehr Flexibilität

Eine aus Hamburg zugezogene Mutter monierte, sie empfinde das hiesige System als zu starr. In Tornesch gibt es feste Gruppenöffnungszeiten, ein Früh- oder Spätdienst von je einer halben Stunde ist zubuchbar. Hamburger Kitas hingegen sind oft ganztägig geöffnet, und je nach Arbeitszeit erhalten die Eltern einen Gutschein über eine Wochenstundenzahl, den sie flexibel einlösen können. Mitarbeiter der Kindergärten hielten dagegen, eine solche Flexibilität sei mit der Gruppenstruktur nicht vereinbar und höchstens in Kindergärten mit offener Konzeption umsetzbar. Außerdem dürfen dabei die Kinder nicht zu kurz kommen, warf eine Erzieherin ein. Denn der Kindergartenalltag sei für die Kleinen anstrengend, und bei einigen Eltern bestünde die Gefahr, dass sie den Nachwuchs in einem flexiblen System deutlich länger abgeben als arbeitsbedingt nötig. Eltern führten ins Feld, dass mancher Arbeitsplatz auch mal eine Überstunde erfordere und beim Pendeln mit Staus gerechnet werden muss, also Betreuungszeiten mit größerem Spielraum wünschenswert seien.

Bernhard Janz, der CDU-Bürgermeisterkandidat werden möchte, fragte, ob nicht ein gemischtes System vorstellbar sei, mit fester Kernzeit und erhöhter Flexibilität im Randbereich. Ja, hieß es aus der Runde, mit viel konzeptioneller Arbeit sei das möglich. Allerdings werde dafür mehr Personal benötigt, doch derzeit herrscht ein akuter Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt, Erzieher sind Mangelware.


Kählert wirbt für duale Ausbildung

Sabine Kählert (parteilos), die für das Bürgermeisteramt kandidiert und als Leiterin des Amts für soziale Dienste an dem Gespräch teilnahm, sagte, dem Personalmangel könne man begegnen, indem man den dualen Ausbildungsweg einführt. „Das Berufsbild ist nicht attraktiv, da die Bewerber während der langwierigen Ausbildung kein Geld verdienen“, so Kählert.

Der Vorschlag von Janz, die Hürde für den Berufseinstieg herabzusetzen und den Erzieherberuf auch für Bewerber mit Mittlerer Reife zugänglich zu machen, anstatt wie bislang entweder Abitur oder Mittlere Reife mit abgeschlossener Berufsausbildung vorauszusetzen, fand keinen Anklang beim Fachpersonal: Zu herausfordernd sei der Beruf, zu anspruchsvoll das nötige Wissen um den Entwicklungsstand der Kinder, zu vielfältig die Anforderungen.

Eine derzeit als Tagesmutter tätige Erzieherin brachte jedoch eine Idee ein, wie begabtes Nachwuchspersonal akquiriert werden könnte. Mit der Zahlung eines 450 Euro-Gehalts nach bayrischem Vorbild könnte Tornesch für hochwertige Vollzeitpraktikanten attraktiv werden, denn bislang werden die meist monatelangen Praxiszeiten nicht vergütet.
 

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