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Gymnasium : „Carmens“ Liebe scheitert am Hass

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Mit einer Neuinszenierung der Oper „Carmen“ haben Schüler des Ludwig-Meyn-Gymnasiums aktuelle gesellschaftliche Probleme in den Blick genommen. Rund 160 Zuschauer besuchten zwei Vorstellungen in der Aula.

shz.de von
erstellt am 16.Feb.2015 | 22:38 Uhr

Karolin Sandleben stellte „Carmen“ ausdrucksstark als temperamentvolle spanische Migrantin dar, die in Deutschland Arbeit als Kellnerin gefunden hat. Sie gewinnt das Herz des Restaurantbesuchers „Jona“ (Justus Schmitt), der aber einer ausländerfeindlichen Gemeinschaft angehört. Er liebt „Carmen“; anrührend beteuern sie einander im Gesang ihre Zuneigung. Doch die Anführerin der ausländerfeindlichen Gruppe (von Pauline Dupas mit herrischem Tonfall und unterkühltem Blick überzeugend dargestellt) vermählt „Jona“ mit „Michaela“ (Annika Leimig).

Er kann sich den Zwängen seiner Clique nicht entziehen, während sich „Carmen“ in den Rockstar „Escamillo“ (Philipp Reimers) verliebt. Als „Jona“ voll Verzweiflung mit erhobenem Messer auf das neue Paar zugeht, stellt sich eine Sprecherin (Linn Ruwoldt) zwischen sie. Mit einer selbstgeschriebenen Rede ruft sie die Zuschauer auf, angesichts des Todes die eigene Rolle im Leben zu überdenken und Initiative zu ergreifen: „Sei dein eigener Regisseur!“, ruft sie.

Im Original heißt „Jona“ „José“ und ist Soldat. „Carmen“ arbeitet in einer Zigarettenfabrik und verliebt sich schließlich in den Torero „Escamillo“. Doch die 19 Teilnehmer des Musik-Profils schrieben das Stück um. „Wir wollten ein aktuelles Thema reinbringen, weil unter den spanischen Jugendlichen so eine hohe Arbeitslosigkeit herrscht“, sagte Pauline Dupas nach der Aufführung.

Die Klasse Q2k inszenierte das weltberühmte Werk von Georges Bizet selbstständig im Unterricht. Lehrerin Ulrike Herbig bewertete die Leistung jedes Schülers einzeln wie eine Klausur.

Die Note galt dabei nicht dem Spiel auf der Bühne, sondern dem Lernfortschritt in der Vorbereitung. „Sie haben viel Kraft und Zeit investiert“, sagte die Lehrerin zufrieden. Sieben Wochen hatten die Schüler Zeit. Sie kürzten die Drei-Stunden-Oper auf rund 50 Minuten ein. Eine Gruppe teilte die Szenen ein, eine zweite setzte das Werk musikalisch um. Es entstanden neue Arrangements, eigene Kompositionen und neue Liedtexte. Eine siebenköpfige Band mit Klarinette, Violoncello, Akkordeon, Gitarren, Schlagzeug, Klavier, E- und Kontrabass begleitete die Aufführung, die ein besonderes Erlebnis war.

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