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Flüchtlingshilfe : Bürokratie abbauen, Praktika anbieten

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Das Dublin-Verfahren ist der größte Schwachsinn überhaupt“, schimpft Christine Aschert. Die Heistmerin engagiert sich in der Flüchtlingsbetreuung. Einmal wöchentlich gibt sie Deutschunterricht. Zurzeit profitieren ein Ehepaar aus dem Iran und drei Syrer von ihrem Angebot. Christine Aschert ist die Frau von Wolfgang Aschert. Seit März dieses Jahres ist er ehrenamtlicher Flüchtlingskoordinator im Bereich des Amtes Moorrege. Ehepaar Aschert kennt die Wünsche und Sorgen der Menschen, die aus Kriegs- und Elendsgebieten kommen, gut.

shz.de von
erstellt am 06.Aug.2015 | 17:35 Uhr

„Diejenigen, die bleiben wollen, sind hochmotiviert. Sie wollen etwas aus ihrem Leben machen, sich etwas aufbauen – wie wir auch“, so die Unterstützerin. Während ihr Mann sich darauf konzentriert, den Helfern in Moorrege, Heist, Holm und Appen zur Seite zu stehen und ihre Einsätze und Aufgaben koordiniert, damit sie hilfreich und effektiv sind, ist seine Frau ganz nah bei den Menschen. Sie kümmert sich nicht um Sprachlevel. „Wir lernen hier konkret: Wie kaufe ich eine Busfahrkarte, wie frage ich nach dem Weg, welche Wörter brauche ich, wenn ich einkaufen gehe“, sagte sie.

Mit dem Lernfortschritt ihrer Schüler ist sie zufrieden. „Obiedallah muss studieren, er lernt schnell“, sagt Aschert und der angesprochene junge Mann aus Syrien freut sich. Er lebt zurzeit ohne Pass und ohne gesicherten Aufenthaltsstatus in seiner Unterkunft in Heist. Er ist über Ungarn eingereist. Nach dem Dublin-Abkommen muss jetzt geklärt werden, welches Land für ihn zuständig ist.

Sachspenden gibt es im Bereich des Amtes Moorrege reichlich. Auch mit der „Manpower“ ist Wolfgang Aschert zufrieden. Was er sich wünscht, ist der Abbau von bürokratischen Hürden. „Bei uns leben zwei Brüder, sie sind auf dem gleichen Wege gekommen - der eine bekommt eine Aufenthaltsgenehmigung von drei Monaten, der andere von sechs Monaten. So etwas verstehen die Menschen nicht“, kritisierte der Flüchtlingslotse. „Genauso wenig verstehen Betroffene aus einem Kriegsgebiet, warum jemand aus einem Armutsgebiet ein Bleiberecht bekommt, und sie selbst nicht“, ergänzte er. Ehepaar Aschert wünscht sich, dass Firmen Flüchtlinge als Praktikanten einstellen. „Sie möchten sich sinnvoll beschäftigen. Außerdem lernen sie auf dieses Weise am schnellsten Deutsch zu sprechen und sich einzuleben“, so Aschert. Der Iraner Mehrdaad Behroozian und seine Frau Nasrin Geraminia würden ein Praktikumsangebot gern wahrnehmen. Er ist Installateur, sie OP-Krankenschwester. Auch der Syrer Lokman Youssef würde sich über eine Tätigkeit freuen.

29 Unterkünfte für 184 Flüchtlinge

Für die Flüchtlinge und Asylbewerber, die dem Amt Moorrege von der Ausländerbehörde des Kreises Pinneberg zugewiesen werden, wurden 29 Immobilien angemietet. Aktuell leben hier 184 Menschen. Nicht jede Unterkunft ist ideal, weiß Amtsdirektor Rainer Jürgensen. Positiv ist aus seiner Sicht, dass er noch keine überteuerten Unterkünfte anmieten musste. Die Schlichtwohnungen in Holm, die von Flüchtlingsbetreuern in der Vergangenheit kritisiert worden sind, sollen voraussichtlich saniert werden. Die Holmer Gemeindevertretung wird im September darüber beschließen. In den Gemeinden Appen, Heist, Holm und Moorrege haben sich Helfergruppen gebildet. Rund 100 Bürger engagieren sich laut Flüchtlingsbetreuer Wolfgang Aschert regelmäßig - helfen beispielsweise bei der Eingewöhnung und begleiten die Neuankömmlinge bei Behörden- und Arztgängen. In Holm und Moorrege wurden Cafés als Begegnungsstätten eingerichtet. Deutschunterricht wird zum Teil in Form von VHS-Kursen und zum Teil auf ehrenamtlicher Basis erteilt. Die Kinder der Flüchtlinge besuchen Deutsch-als-Zweitsprache-Klassen.

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