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Entfernung der Grabsteine : Bürgermeisterin entschuldigt sich

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Die Geschehnisse auf dem historischen Cäcilie-Bleeker-Park sollten nach Wunsch der BfB-Fraktion ein Mittelpunkt der Tagesordnung des Hauptausschusses am Dienstagabend sein. Die Politik sollte Gelegenheit erhalten, Stellung zu nehmen. Doch der Bitte, den Punkt auf die Tagesordnung zu heben, wurde von der CDU-Fraktion nicht entsprochen. Ihr „Nein“ führte dazu, dass die notwendige Zweidrittel-Mehrheit ausblieb.

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erstellt am 17.Jun.2015 | 18:09 Uhr

Zur Begründung sagte Hauptausschuss-Vorsitzender Andreas Stief, dass der Zeitpunkt dafür nach Einschätzung der CDU zu früh gewesen sei. Das sei ein Thema für die Ratsversammlung am 29. Juni.

Dass die Zerstörung der rund 100 alten Grabplatten durch den Bauhof dennoch Thema wurde, lag am Bericht der Bürgermeisterin. Andrea Hansen sagte dabei, dass ihr die Vorkommnisse leid täten. Alle 15 Ehrendenkmäler seien allerdings unangetastet geblieben und von den kleineren Grabplatten seien noch 35 vorhanden. Der ganze Vorgang sei verwaltungsintern noch nicht abgeschlossen. Andrea Hansen führte ferner aus: „Seit langem beklagt die Kolonne Grünpflege des Bauhofs die erschwerte Pflegbarkeit und die Pflegedauer des Gräberfeldes im Park. Beschwerden aus der unmittelbaren Nachbarschaft haben einen zusätzlichen subjektiven Problemdruck erzeugt. Bauamt und Bauhofleitung erörterten daher vor einem Jahr eine Neuaufstellung der Grabplatten und Sockel. Diese sollten hochgenommen, die Rasenflächen pflegeleichter angelegt und die Grabplatten und Sockel dann wieder angeordnet werden. Am 1. Juni ist es dann zu diesem Unglück gekommen, dass 100 Grabplatten entfernt und entsorgt wurden. Nach meinem Eindruck ist der Vorgang, insbesondere die sofortige Entsorgung der Platten, leider vorab hausintern nicht so kommuniziert worden, wie es nötig gewesen wäre. Das ist sozusagen die Kehrseite des eigenverantwortlichen Handelns.“

Der Park sei, so die Bürgermeisterin, bis Januar dieses Jahres nicht als Denkmal eingestuft worden. Ob sich durch die Änderung im Gesetz seit Februar 2015 etwas geändert habe, werde in Kiel geprüft. Trotz allem seien die Grabsteinplatten als denkmalwürdig zu sehen. Dass der Park bislang kein Denkmal gewesen sei, stimmt nicht. Vielmehr wurde er bis Januar 2015 als „einfaches Gartendenkmal“ eingestuft. Das merkwürdig Anmutende daran: Bis zu diesem Datum hätte der Park komplett umgestaltet werden können, auch in ein Rasenfeld.

Aufgrund der einfachen Einstufung ohne die Gefahr von Sanktionen seitens des Denkmalschutzes. Nur der Vertrag mit der Kirche hätte einem solchen Treiben im Wege gestanden. Doch seit Anfang dieses Jahres wird nicht mehr zwischen einfachem und besonderem Denkmal unterschieden. Ob und wie der frühere Friedhof der Stadt aktuell denkmalrechtlich eingestuft wird, ist Gegenstand des Prüfprozesses in Kiel. Sollte das Landesdenkmalamt die Schutzwürdigkeit des Parks feststellen, droht der Stadt ein Bußgeldverfahren.

Die Bürgermeisterin informierte die Hauptausschussmitglieder, dass man nun mit dem Denkmalschutz beraten werde, wie eine Gesamtwürdigung der Anlage vorzunehmen sei. „Jeder, der den Ort betritt, wird nämlich feststellen: Der Park hat seinen Charakter bewahrt.“

Die Verwaltungsleiterin sagte, dass sie am Montag den Bauhof und das zuständige Amt angewiesen habe, ab sofort alle Maßnahmen in historischer Umgebung, die über die reine Grünpflege hinausgehen, bei ihr anzumelden, damit gegebenenfalls auch der Denkmalschutz einbezogen werden könne.

Weiter wies die Bürgermeisterin auf einen hohen Auslastungsgrad des Bauhofes hin. Die geleisteten Überstunden seien enorm. Der Druck auf die Bauhofmitarbeiter sei gestiegen, weil trotz erhöhter Anforderungen keine neuen Stellen geschaffen worden seien. Die Haushaltskonsolidierung mit ihren Sparzwängen habe hier den finanziellen Rahmen sogar noch enger geschnürt. „Das aber vermindert nicht die Wahrscheinlichkeit von persönlichen Fehlern, sondern es erhöht sie. Diese Warnung gilt unverändert“, so die Verwaltungsleiterin.

Alle sollten die Situation aber jetzt auch nutzen, um über die Zukunft des Parks zu sprechen. Jahrelang habe der eher ein Schattendasein geführt. Denkbar sei etwa ein Ideenwettbewerb unter Einbeziehung von Schulen, Kirchen, Museen, Künstlern und Denkmalschutz, um die vielen verbliebenen Relikte im Park und auch die Natur in das richtige Licht zu rücken. Nach der nötigen Kritik und Selbstkritik müssten zu diesem konstruktiven Vorgehen dann allerdings auch alle bereit sein. „Genau darum möchte ich Sie bitten“, schloss Andrea Hansen.

Stief resümierte, dass, wenn man jetzt so schnell nach vorne blicken wolle, er sich auch einen Vorsatz beim Vorgehen vorstellen könne.

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