Schließung : Bürger sehen Sicherheit gefährdet

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Der Aufruf des CDU-Ortsvorsitzenden an die Bürgerinnen und Bürger, zur Sitzung des Hauptausschusses zu kommen und dort deutlich zu machen, wie wichtig ihnen der Verbleib der Polizeiwache vor Ort ist, war auf erhebliche Resonanz gestoßen. Die Besucherplätze im Sitzungssaal des Rathauses reichten nicht aus, es wurden weitere Stuhlreihen aufgestellt, so viele Tornescherinnen und Tornescher waren gekommen.

shz.de von
12. Mai 2015, 21:49 Uhr

Sie alle wollten von Frank Matthiesen, Leiter des Führungsstabes der Polizeidirektion Bad Segeberg, die Gründe für die zum 1. März 2016 von der Polizeidirektion geplanten „Fusion“ der Polizeiwachen Tornesch und Uetersen und damit die Aufgabe der Wache in Tornesch erfahren. Und viele von ihnen nutzten die Möglichkeit, Polizeidirektor Frank Matthiesen und dem ebenfalls anwesenden Leiter des Polizeireviers Wedel, dem Ersten Polizeihauptkommissar Torsten Schmidt, Fragen zu stellen oder ihr Unverständnis über die Schließung der Tornescher Polizeiwache zum Ausdruck zu bringen.

Mehr als eine Stunde räumte Hauptausschuss-Vorsitzende Verena Fischer-Neumann (SPD) den Bürgerinnen und Bürgern und den beiden Polizeibeamten für Ausführungen, Fragen und Meinungsäußerungen ein, bevor die Politiker in die Diskussion einstiegen. Polizeidirektor Matthiesen gab einen Überblick zu Dienststellen und Einsätzen seiner Polizeidirektion, die für die Kreise Bad Segeberg und Pinneberg zuständig ist. Was zu erkennen war, die Zahl der Dienststellen hat sich in den vergangenen Jahren entsprechend einer Organisationsleitlinie des Landes verringert. Die seit Langem vorgesehene Zusammenlegung der Wachen Uetersen und Tornesch habe nichts mit Sparzwängen zu tun, betonte Frank Matthiesen. „Wir machen das, weil wir überzeugt davon sind, dass die Zusammenlegung polizeitechnische Vorteile und damit mehr Sicherheit für die Bürger bringt.“

Die Bürger, die sich zu Wort meldeten, sahen dies anders. Sie verwiesen auf die ihnen Sicherheit gebende Polizeipräsenz vor Ort, die sie bei Schließung der Wache am Thujaweg nicht mehr haben würden. Frank Matthiesen betonte, dass Polizeiarbeit in der Regel aus dem Streifenwagen heraus erfolge. Die Polizeipräsenz werde nicht reduziert. Die Sorge zahlreicher Bürgerinnen und Bürger, dass durch die Zusammenlegung der beiden Polizeieinheiten Personal eingespart werde, versuchte Frank Matthiesen zu zerstreuen.

„Wir reduzieren Verwaltungsposten für den Innendienst. Aber alle bisherigen Planstellen verbleiben im Revierbereich Wedel und dadurch können mehr Dienstzeiten in der Einsatzpräsenz ermöglicht werden.“ Mit zwölf Planstellen in der Tornescher Wache und 22 in der Uetersener hätte die gemeinsame Dienststelle, die laut der bisherigen Planungen am Standort der Polizeiwache in Uetersen eingerichtet werden soll, 34 Kräfte für einen Einzugsbereich von 50000 Einwohnern in einem Gebiet von Uetersen, Marsch und Geest bis hin zu Tornesch-Ahrenlohe zur Verfügung. Doch zumindest in der Tornescher Wache sind aktuell nur zehn Planstellen besetzt. Wie umfangreich die Streifenwagenpräsenz im Einzugsgebiet der zusammengelegten Wachen und speziell auf Tornescher Terrain sein wird, dazu konnte der Leiter des Polizeireviers Wedel Torsten Schmidt keine Auskunft geben. In die Räume der Tornescher Wache sollen zehn Polizeikräfte zur Aufklärung von Serien - und Bandenkriminalität einziehen. Die Polizeidirektion Bad Segeberg hat diese Planstellen durch Reduzierung von Stellen bei der Wasserschutzpolizei erhalten. Das große Polizeischild am Gebäude der bisherigen Wache soll verbleiben und Zeiten für eine Vorortpräsenz eines Polizisten zur Anzeigenaufnahme eingerichtet werden. In welchem Umfang, blieb offen. „Machen Sie sich bitte Gedanken, wie Sie in einer wachsenden Stadt mit Bahnhof und Autobahnanschluss doch eine eigene Polizeiwache beibehalten können“, so das Resümee eines skeptischen Bürgers.

Stimmen von Politik und Verwaltung„Behalten Sie die Befürchtungen, Fragen und Wünsche der Tornescherinnen und Tornescher im Herzen“, gab der SPD-Politiker Manfred Fäcke den beiden Polizei-Führungskräften mit auf den Weg. Und er gab eine weitere Anregung mit: „Haben Sie darüber nachgedacht, die fusionierte Polizeiwache an einem zentralen Ort anzusiedeln, der den Tornescher Bürgern das Gefühl gibt, näher an der Polizei zu sein als es der Wachenstandort in Uetersen vermittelt?“ Und er verwies darauf, dass in Verkehrs-Spitzenzeiten die Polizei nicht „mal eben schnell“ in Tornesch sein werde. „Geben Sie uns das Gefühl, dass die Sicherheit hier nicht weniger wird“, so der SPD-Politiker. Frank Matthiesen versprach, die Anregungen aufzunehmen. „Wir sind deswegen heute hier gewesen, um mit kommunalpolitischen Entscheidungsträgern zu sprechen und uns auch den Fragen der Bürger zu stellen.“ Der Leiter des Führungsstabes der Polizeidirektion Bad Segeberg hatte erläutert, dass der Fusion von Polizeistationen drei Phasen vorausgehen: 1.) interne fachliche Meinungsbildung; 2.) Gespräch mit kommunalpolitschen Entscheidungsträgern und förmliche Antragstellung an das Landespolizeiamt; 3.) nach Genehmigung des Antrags logistische Umsetzung. Er freue sich über die Wertschätzung, die die Tornescher ihren Polizeikräften entgegenbringen, so Matthiesen.

„Tornesch ist eine sichere Kommune, weil die Polizei vor Ort ist“, machte CDU-Politiker Andreas Quast deutlich.

Dass Tornesch eine Fusion der Polizeiwachen nicht verhindern könne, aber versuchen müsse, das Beste daraus zu machen, warf Bürgermeister Roland Krügel in die Diskussion ein. „Das Polizeischild bleibt, es werden Polizeizeiten vor Ort eingerichtet und optimal wäre eine Außenstelle in Tornesch“, fasste er zusammen. Optik und Präsenz seien wichtig für das Sicherheitsgefühl. „Es wäre gut, wenn die Polizeistation dann ,Tornesch-Uetersen’ hieße und eine Zweigstelle in Tornesch hat. Und wenn aus Sicht der Landespolizei Tornesch und Uetersen eine Einheit bilden, dann sollte das Land auch endlich verstehen, dass wir eine Einheit in Sachen Bahnnutzung darstellen und endlich die gewünschten Züge in Tornesch halten lassen.“ Sie halte nichts davon, zu sagen, man könne nichts machen, so die Hauptausschuss-Vorsitzende Verena Fischer-Neumann. „Die Schließung der Wache Tornesch ist eine übergeordnete Entscheidung, aber es ist gut, dass wir unser Gewicht in die Waagschale geworfen haben. Nun müssen wir sehen, wie hoch die Wünsche der Bürger nach einer eigenen Wache oder die Diskussionsmöglichkeit für einen gemeinsamen Standort auf der Kompromiss-Skala der Entscheidungsträger stehen. (syk)

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