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Uetersener Nachrichten

23. Oktober 2017 | 07:14 Uhr

Protest : Bürger gegen Fracking mobilisieren

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

An einen laufenden Wasserhahn hält ein Mann ein Feuerzeug. Plötzlich eine große Stichflamme und das Waschbecken brennt lichterloh. Dies ist eine Szene aus dem Film „Gasland“ des amerikanischen Filmemachers John Fox. Der Streifen war für den Oscar in der Kategotrie „Bester Dokumentarfilm“ nominiert worden.

shz.de von
erstellt am 28.Feb.2014 | 22:20 Uhr

Ausgelöst wurde das Feuer durch Methangas, das als Folge von „Fracking“ ins Grundwasser eingedrungen ist (dazu lesen Sie mehr im untenstehenden Artikel). Über den Brunnen des amerikanischen Landwirtes gelangte es in sein Haus.

Diesen Film, der beschreibt, was in den USA als Folge von Fracking geschehen ist und was passieren könnte, hat auch Dr. Jürgen Koch gesehen. „Fürchterlich geärgert“ hatte sich der Holmer, als er vor einigen Jahren erstmals von dieser Methode der Gasgewinnung hörte. Doch der Physiker, der jahrzehntelang in der Entwicklungsabteilung der AEG in Wedel arbeitete, dachte damals „das ist schön weit weg“.

Seinen Irrtum erkannt er, als vor Kurzem das für Schleswig-Holstein zuständige Landesamt für Bergbau in Clausthal-Zellerfeld der Firma „PRD Energy GmbH“ die Genehmigung erteilte, im Großraum Elmshorn erste Erkundungen anzustellen. Für Dr. Koch ist klar, dass nach den Probebohrungen eine Erschließung des Feldes Elmshorn folgen soll, das im Süden von Pinneberg über Glück-stadt, Horst (beides Kreis Steinburg) und Barmstedt bis fast nach Kaltenkirchen (Kreis Segeberg) reicht. „Wenn in Barmstedt gebohrt wird, kommt das irgendwann bei uns an“, steht für Dr. Koch fest.

In den USA wird Fracking als strategisches Mittel gesehen, um sich von Energieimporten unabhängig zu machen. Dort geht man davon aus, dass für 200 Jahre Energie im Boden schlummert. In Deutschland sollen es aber nur zehn Jahre sein.

Bürgerinitiativen haben sich mittlerweile einige gebildet, wo zur Probe gebohrt wird. Nachdem die Genehmigung für den Kreis Pinneberg bekannt wurde, hagelte es Pressemitteilungen von Politikern. In Bokholt-Hanredder und Holm – dort übrigens auf seine Initiative – gab es erste Resolutionen der Gemeindevertretungen gegen Fracking. Für Dr. Koch ist es wichtig, dass die Bürger informiert werden und sich engagieren. Sie sollen Druck auf die Landes- und Bundespolitiker ausüben. Denn nach dem derzeitigen Bergbaurecht musste das zuständige Landesamt die Genehmigung erteilen, erklärt Dr. Koch. Nur eine Novellierung dieses Bundesrechts bietet eine Handhabe. Höchste Umweltstandards sowie eine Beteiligung der Öffentlichkeit bei diesen Fracking-Projekten sollten festgeschrieben werden. Eine Reform wäre über den Bundestag und oder eine Bundesratsinitiative möglich.

Übrigens scheinen selbst die Befürworter die negativen Folgen zu fürchten. Exxon-Chef Rex Tiller wehrt sich gerade dagegen, dass nahe seiner Ranch bei Dallas gefrackt wird. Vor allen sieht er den Wert seines Grundstückes gefährdet. www.resolution-korbach.org

„Ein Sammelsurium aus Chemikalien“Erdgas und in geringerem Umfang Erdöl soll mithilfe des „Fracking“ (englisch für „aufbrechen“) aus tiefen Gesteinsschichten gelöst werden. Erst werden Löcher bis zu 2500 Meter in diese Schieferschichten gebohrt. Dann muss ein Mix aus Wasser, Sand und Chemikalien mit Hochdruck in den Untergrund gepresst werden. „Ein Sammelsurium an Chemikalien“ sei dies, so Dr. Jürgen Koch, darunter einige krebserregende Stoffe. Hinzu kommen radioaktive Isotopen, Schwermetalle und Salze. Die ins Erdreich gepumpte Flüssigkeit bricht die Gesteinsschichten auf, der Sand füllt die Zwischenräume und das Gas kann entströmen.

Die Kontaminierung von Grund- und Trinkwasser sowie die Luftverschmutzung wird von Umweltschützern kritisiert. Zudem ist die Entsorgung der beim Fracking entstehenden Abfälle ungeklärt. Erdbeben und Bergschäden werden ferner befürchtet.

Seit Anfang des Jahrtausends kommt das Fracking in den USA verstärkt zum Einsatz. Die schwarz-gelbe Bundesregierung hatte in einem Gesetzentwurf Fracking in Deutschland prinzipiell genehmigt. (tp)

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