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Schleswig-Holstein Musik Festival : Brillanter letzter Tango im Rinderstall

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Restlos ausverkauft, ein restlos begeistertes Publikum – das war das letzte von drei Konzerten für diesen Sommer in dem atmosphärisch dichten „Rinderstall“. Angelockt hatte die 1200 Besucher die ebenso schöne wie charismatische Geigerin und Bratschistin Isabelle van Keulen, ein Weltstar, auf allen großen Konzertpodien ein begehrter Gast.

shz.de von
erstellt am 09.Aug.2013 | 18:44 Uhr

In Haseldorf präsentierte sie mit ihrem „Isabelle van Keulen Ensemble“ Ungewöhnliches: den Tango Nuevo von Astor Piazzolla. Und der ist nicht der tanzbare aus den Bars und Kneipen von Buenos Aires oder den Fünfziger Jahren aus Berlin, sondern der intellektuelle, den der argentinische Komponist aus seiner Begeisterung für das Bandoneon, Johann Sebastian Bach und den Jazz entwickelte.

Isabelle van Keulen spielt den leidenschaftlich, dazu ihr Ensemble, zusammen gesetzt aus wahren Könnern wie der vielseitigen und besonders einfühlsamen Pianistin Ulrike Payer, schon öfter prominenter Gast des Schleswig-Holstein Musik Fetivals, dem genialen und wohl bestem deutschen Bandoneon-Interpreten Christian Gerber, der bei etlichen hochrangigen Film- und Theaterprojekten mitwirkte und im Studio mit Herbert Grönemeyer, Annett Louisan („Ich will doch nur spielen“) und Roger Cicero zusammen arbeitete.

Rüdiger Ludwig, Solo-Kontrabassist bei der NDR-Radiophilharmonie, glänzte nicht nur bei dem Kontrabass gewidmeten Stück „Kontrabassissimo“, sondern im Herzen der schönen Isabelle, die Beiden haben sich bei einem Konzert in Argentinien kennen und lieben gelernt und sind inzwischen verheiratet. Nicht zuletzt dadurch ist das harmonische Paar zum Tango gekommen, verriet Rüdiger Ludwig in einem Gespräch mit den UeNa. Und dieser Faible zeigt einen Riesen-Erfolg: Ihre neue CD „Tango!“ wurde bei NDR Kultur zur CD der Woche gewählt.

Die nordisch-herbe Isabelle van Keulen, alles andere als ein typischer Tango-Geiger, nach dem von Friedrich Hollaender geschriebenen Chanson „Guck doch nicht immer nach dem Tango-Geiger hin“, war trotzdem ein Hingucker, hoch konzentriert ließ sie den Bogen über die Geige tanzen. Kompliziert und alles andere als simpel die intensive Musik. Immer wieder im Mittelpunkt das Bandoneon, das im Gegensatz zu seiner großen Schwester, dem Akkordeon, eine kleine, aber sprechende Kiste ist, es redet, erzählt, weint und schluchzt, lacht und hüpft vor Freude – wenn es denn von einem Meister wie Christian Gerber gespielt wird. Alles in allem war es großartige Musik, spannend, einnehmend, überzeugend und leidenschaftlich gespielt.

Großer Jubel für die Künstler, die sich mit mehreren Zugaben bedankten. Die traditionellen Niederegger-Marzipan-Taler und ein dickes Dankeschön gab es auch beim anschließenden Empfang von Udo Prinz von Schoenaich-Carolath, der seine Gäste seit 25 Jahren mit Herzlichkeit bewirtete.

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