Motorschaden : Brenzlige Minuten in 600 Metern über der Erde

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Dramatische Minuten in 600 Metern Höhe über dem Kreis Segeberg. Kubilay Cavusoglu und sein Co-Pilot Hagen Hamm steuern mit einer einmotorigen Propellermaschine, Typ Dornier 27, von einer Übung an der Ostseeküste ihre Heimatbasis in Appen an.

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27. Oktober 2011, 21:13 Uhr

Ein Passagier reist mit. Gegen 16 Uhr wollen die Piloten der Appener Reservekameradschaft Flugdienst auf dem Heistmer Flugplatz landen. Doch rund 90 Kilometer vor dem Ziel hören sie plötzlich einen Schlag und „ein metallisch klingendes Geräusch“. Sekunden später läuft Öl über die Kabinenhaube, Qualm dringt in das Cockpit ein. Ein Blick auf die Instrumente zeigt: Der Motor verliert an Leistung und der Propeller an Drehzahl. Hinter sich zieht das Flugzeug eine Rauchfahne her. „Es war wie in einem schlechten Film“, berichtete Hamm gestern. Der 51-Jährige ist Vorsitzender der einzigen fliegenden Reservistenkameradschaft in Deutschland, die die letzten in Deutschland noch im Originalzustand betriebene zweimotorige Dornier DO 28 D2 Skyservant und drei weitere Flugzeuge besitzt. Sofort ist den erfahrenen Piloten klar: Bis zum nächsten Flugplatz in Wahlstedt werden sie es nicht mehr schaffen. Noch haben sie genügend Höhe, um zu kreisen. Durch die ölverschmierte Scheibe halten sie nach einem Landefeld Ausschau. 14 Kilometer nördlich von Bad Segeberg nahe der Gemarkung Muggesfelde setzen Cavusoglu und Hamm schließlich auf einem hügeligen Getreideacker auf – im Segelflug, ohne Motorkraft und vor allem: ohne Überschlag.

Niemand ist verletzt, doch in der Verkleidung der 66 Jahre alten Maschine klafft ein großes Loch. Ein Motorteil durchschlug das Metall.

19 Tage lang stand die Do 27 auf dem Acker, bis sie gestern nach Appen zurückkehrte. Tag und Nacht wurde sie bewacht. Rund 40 Reservisten wechselten sich dabei ab, schätzt Hamm. Immer wieder reisten Schaulustige an.

Die Bergung gestaltete sich schwierig. Eine erste Inspektion zeigte, dass sich das Triebwerk nicht vor Ort reparieren ließ. Eine Demontage der Maschine sollte aber verhindert werden, um ihre Festigkeit zu erhalten. Als einzige Möglichkeit blieb ein Hubschraubertransport.

Schließlich schleppte das „Mittlere Transporthubschrauber-Regiment 15“ aus Rheine (Nordrhein-Westfalen) die Propellermaschine gestern ab. Hamm schätzt, dass ein neues Getriebe rund 50000 Euro kostet. „Wir sind uns sicher, dass unsere Do bald wieder dort zu finden sein wird, wo sie hingehört – an den Himmel über Norddeutschland“, sagte er. Wer sie sich ansehen will, kann einen Termin vereinbaren. Ein Kontaktformular findet sich unter

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