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Uetersener Nachrichten

24. November 2017 | 14:16 Uhr

Breiter als hoch: Die Purpurbuche

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

SerieDas bekannteste Naturdenkmal der Stadt steht an der Kreuzung Klosterkoppel und Großer Wulfhagen

Im letzten Teil unserer Serie geht es um das Naturdenkmal, das die meisten Uetersener wohl täglich sehen: Die Purpurbuche, die majestätisch an der Kreuzung Klosterkoppel und Großer Wulfhagen emporragt. Selbst über die Stadtgrenze hinaus ist der Baum als besonders imposantes Exemplar der Purpurbuche bekannt. Wegen ihrer Nähe zur ehemaligen Mühle wird sie auch heute noch „Röpcke-Buche“ genannt.

Purpurbuchen sind eine Mutation der Rotbuche. Der Volksmund sagt auch „Blutbuche“ zu dieser Art. Doch streng genommen sind Blutbuchen jene Exemplare, die durch Veredelung, also auf künstliche Art und Weise entstanden sind. Purpurbuchen hingegen sind Sämlingsbuchen. Das bedeutet, sie entstehen natürlich durch das Verbreiten der Bucheckern, die Samen der Buche. Doch äußerlich ist für den Laien kaum ein Unterschied erkennbar.

Ihre typische Färbung verdanken Blut- und Purpurbuchen dem roten Anthcyane, welches den grünen Farbstoff Chlorophyll in den Blättern überlagert. Doch nicht immer ist eine Purpurbuche rot: Innerhalb eines Jahres verliert ihr Blattwerk zum Ende einer Vegetationsperiode die typische rote Färbung und ergrünt zunehmend. Dadurch sind Purpurbuchen für den Laien im Herbst kaum noch als solche zu erkennen. Diese Baumart kann bis zu 30 Meter hoch und bis zu 250 Jahre alt werden. Der Baum an der Klosterkoppel dürfte 150 bis 160  Jahre auf dem Buckel haben. Einige Quellen schätzen, dass es sich bei diesem Baum um die wahrscheinlich älteste Purpurbuche im südlichen Schleswig-Holstein handelt. Hans-Jürgen Raddatz, Sachbearbeiter für Naturdenkmäler im Kreis Pinneberg, zufolge ist das aber nicht genau feststellbar. Die Purpurbuche im Uetersener Klosterpark könne genauso alt sein. Aufgrund ihres hohen Alters, aber auch wegen ihrer unübersehbaren Schönheit, wurde die Purpurbuche bereits 1940 zum Naturdenkmal.


Die Krone des Baumes ist beeindruckend


Nicht nur ihr bizarres und verschlungenes Wurzelwerk zeichnet diese Buche aus. Auch die Krone des Baumes ist besonders eindrucksvoll, da sie äußerst niedrig angesetzt ist. Dadurch hat der Baum kaum Stamm, was bei seiner Höhe von 22 Metern beachtlich ist. Insgesamt ist die Purpurbuche wesentlich breiter als hoch. „Das ist nicht nur eine ganz typische Form für Buchen, sondern ein sicheres Anzeichen dafür, dass dieser Baum immer alleine gestanden hat“, erläutert Natur-Experte Hans-Jürgen Hewicker. Denn ohne Konkurrenten in unmittelbarer Nähe konnte er erst in die Breite, dann in die Höhe wachsen. Bei Bäumen, die etwa in einem Wald nah beieinanderstehen, ist das aufgrund des Platzmangels nicht möglich. Auch die enorme Anzahl an Bucheckern, die der Baum Jahr für Jahr trägt, wäre wesentlich geringer, würde die Buche von anderen Bäumen umgeben sein.

Diese Purpurbuche ist ein Beispiel für ein Naturdenkmal, das auf Privatgrund steht. Naturdenkmäler gehören stets dem Eigentümer des Grundstücks, auf dem sie wachsen. In vielen Fällen ist das die Stadt, doch manchmal wächst ein denkmalgeschützter Baum auch auf einem Privatgrundstück. Der Eigentümer ist dann zur Pflege und Erhaltung des Naturdenkmals verpflichtet und darf es nicht einfach beseitigen.

Ein Baum kann jedoch auch wieder von seinem Denkmalstatus befreit werden. Etwa, wenn unumgängliche bauliche Vorhaben und Veränderungen erfordern, ihn zu fällen. „Dabei muss immer ein überwiegendes öffentliches Interesse bestehen“, erklärt Hewicker. Wegen ihrer Bekanntheit und Einzigartigkeit dürfte höchstwahrscheinlich die Purpurbuche am Großen Wulfhagen nichts zu befürchten haben.

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