zur Navigation springen
Uetersener Nachrichten

17. August 2017 | 04:31 Uhr

Tierschutzgesetz : Brandzeichen soll entfallen

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) präsentierte am vergangenen Mittwoch die Erneuerung des deutschen Tierschutzgesetzes. Dieses sieht vor, dass das Kastrieren von Ferkeln ohne Betäubung ab dem 1. Januar 2017 in ganz Deutschland verboten sein wird. Zudem soll die Ausnahmeregelung im Tierschutzgesetz für den Schenkelbrand beim Pferd künftig entfallen. Stattdessen soll den Tieren ein elektronischer Mikrochip zur Kennzeichnung eingepflanzt werden.

Der Kreisbauernverband Pinneberg begrüßt die Novellierung des Gesetzes, fordert allerdings eine Übergangsfrist zur Umsetzung der Vorgaben. Wie Geschäftsführer Jochen Schmidt im Gespräch mit den UeNa berichtete, sei auch der Bauernverband schon lange daran interessiert, eine tiergerechte Kastration mit wenigen oder gar keinen Schmerzen möglich zu machen. Dazu habe es auch schon mehrere Versuche mit sanften Betäubungen, aber leider noch keinen Durchbruch gegeben. „Das eigentliche Problem liegt in der Geruchsintensität des Eberfleisches“, so Schmidt. Nur um den Verbraucherwünschen Rechnung zu tragen, würden die Schweinebauern im Kreis Pinneberg ihre Ferkel kurze Zeit nach der Geburt kastrieren. Würden die Verbraucher den strengen Geruch von Eberfleisch akzeptieren, wären Kastrationen demnach nicht nötig.

Den Vorstoß der Bundeslandwirtschaftsministerin nimmt auch der Tierschutzverein Pinneberg und Umgebung positiv auf. Damit sei man lediglich dem europäischen Standard gefolgt, so der Tierschutzbeauftragte des Vereins, Bruno Preger. Die Tierschützer aus Pinneberg sind nach eigenen Angaben schon seit langem aktiv gegen das Einbrennen der Kennzeichnung vorgegangen. Im Tierpark Hagenbeck habe man beispielsweise schon seit Jahren vom Elefanten bis zur Wühlmaus alle Tiere mit Chips versehen und ausschließlich gute Erfahrungen gesammelt, weiß Pressesprecher Peter Dorendorf. In den Augen der Tierschützer stellt dieses Verfahren die einzig sinnvolle Alternative zum Brandzeichen dar. Ganz anders sieht dies allerdings Jan Lüneburg, der erste Vorsitzende des Holsteiner Verbandes. Dass die Züchtervereinigung um ihre Reputation fürchtet, sollte der Schenkelbrand tatsächlich ab 2017 entfallen, sei aber der geringste Aspekt. „Das Brandzeichen ist tierschutzrechtlich nicht relevant und Studien haben ergeben, dass ein Teil dieser Chips nach mehreren Jahren nicht mehr funktioniert und ein Brennen weitaus weniger Schmerzen verursacht“, so der Hetlinger. Chips werden im empfindlichen Nackenbereich des Pferdes eingesetzt. Wo hingegen das robustere Hinterteil, wie beim Menschen ähnlich, wesentlich weniger schmerzanfällig ist. Sollte der Neuentwurf des deutschen Tierschutzgesetzes in dieser Form von Bundestag und Bundesrat durchgewunken werden, wolle man dies nicht klaglos hinnehmen, kündigte Lüneburg an. Holsteiner Verband sieht keine VerbesserungenWürden die Tierschützer ihren Gedanken konsequent folgen, meint Jan Lüneburg vom Holsteiner Verband, müsste auch das Implantieren von Chips verboten werden, und eine Identifikation nur noch über die ebenfalls gebräuchlichen DNA-Proben erfolgen. Zudem sei eine zweifelsfreie Identifikation durch das Chip-System nicht zu gewährleisten, da diese Chips im Körper des Pferdes wandern könnten und das dazugehörige Lesegerät im engen Kontakt mit dem Elektronikstück im Körper des Pferdes stehen müsse, um Daten lesen zu können. Die Erkennung durch das Brandzeichen, körperliche Merkmale und eine DNA-Analyse sei wesentlich einfacher und im Endeffekt auch weniger stressig für das Tier. Somit könne der Zuchtverband der Gesetzesnovelle keine Zustimmung ausdrücken.

zur Startseite

von
erstellt am 28.Mai.2012 | 21:31 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert