Zweiter Verhandlungstag : Brandstifter gesteht

Am zweiten Verhandlungstag um die Brandstiftung in einem Elmshorner Kulturverein, hat der Angeklagte ein umfassendes Geständnis abgelegt.

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05. Januar 2012, 20:55 Uhr

Wie der 41-Jährige vor Gericht sagte, habe er den Brand in dem türkischen Kulturzentrum gelegt, um den Anwesenden dort, „einen Denkzettel“ zu verpassen. Dabei wollte er niemanden verletzten oder gar töten. Der Angeklagte rechtfertigte sich, dass es durch die offenstehende Tür eine Fluchtmöglichkeit nach draußen gegeben habe. Den Tötungsvorsatz, wie es ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft, bestritt er. Grund für seine Tat seien die ständigen Lärmbelästigungen gewesen, die von den Besuchern des Kulturzentrums ausgegangen seien. Immer wieder habe er oder sein Vater bei der Polizei angerufen, mit der Bitte, dass die Beamten dort für Ruhe sorgen sollten. Der Angeklagte sagte, er habe über mehrere Wochen nicht richtig schlafen können. Die Polizeibeamten, die am Nachmittag als Zeugen gehört worden waren, bestätigten die Aussage des 41-Jährigen. Es sei immer häufiger zu Beschwerden von Anwohnern gekommen, denen es im Kulturverein zu laut gewesen sei.

Die Beamten gingen auch auf die Situation nach dem Anschlag ein, als die Besucher des Kulturvereins den Angeklagten festhielten. Die Situation sei ihnen unheimlich gewesen. Dabei hatten sie nicht nur Angst um den Täter, sondern auch um ihre eigene Person. Für Entlastung könnte die Aussage eines der Geschädigten sorgen, der zunächst angab, bei dem Brand verletzt worden zu sein. Er hatte ausgesagt, dass sich seine Hose, die er an diesem Tag trug, durch das Feuer entzündet hätte. Auf einem Foto, auf dem der Geschädigte zu sehen war, ist aber von einer Beschädigung der Hose nichts zu sehen, was der Mann damit begründete, den Brand mit seinem Mantel gelöscht zu haben. Die Staatsanwaltschaft hat nach ihren Ermittlungen einen rechtsextremistischen Hintergrund ausschließen können. Gegen den 41-Jährigen liege in diesem Bereich nichts vor. Der Prozess ist auf fünf Verhandlungstage angesetzt. Während der nächsten beiden Folgetermine am 18. und am 25. Januar sollen weitere Zeugen gehört werden. Zudem steht noch ein ärztliches Gutachten aus, das aber wohl erst am letzten Verhandlungstag, am 1. Februar, vorgetragen wird. Für diesen Tag wird auch mit einem Urteil gerechnet. Bei dem Brandanschlag im Juni 2010 erlitten 16 Menschen Rauchvergiftungen. Zudem entstand ein Sachschaden von 600000 Euro. Der Angeklagte war gegen Mitternacht in das Kulturzentrum eingedrungen und hatte die Anwesenden mit einem Beil sowie einem Messer bedroht und Feuer gelegt.

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