Offene Praxis Sozius : Bilanz nach halbem Jahr

4400243_800x578_555ca6e237cd1.jpg

„Wir müssen weniger auf die Zahl der Fälle achten, als vielmehr auf die Schwere und Bedrohlichkeit der Erkrankungen“, sagt Ulrich Grobe. Der Vorsitzende des Vereins „RegioMobil – Regionale medizinische Hilfe in Notlagen im Kreis Pinneberg e.V.“ hat nach gut einem halben Jahr der Tätigkeit der offenen Praxis SOZIUS in Elmshorn eine erste Bilanz gezogen.

shz.de von
20. Mai 2015, 17:21 Uhr

Mitte September 2014 nahm die Praxis ihre Arbeit im Haus der Begegnung in Elmshorn auf. Seither haben an jedem Montag ein Arzt beziehungsweise eine Ärztin, eine medizinische Fachkraft und ein Helfer gratis und anonym Patienten versorgt, die nicht krankenversichert sind. „Erfreulicherweise hielt sich der Andrang, gemessen an der Anzahl von Patienten, in Grenzen“, berichtet Grobe, „es wäre aber falsch, hieraus den Schluss zu ziehen, das Angebot sei überflüssig.“

In den sieben Monaten wurden 14 Patienten behandelt. Von diesen hatten fünf eine deutsche Staatsangehörigkeit. Die übrigen Patienten stammten aus Bulgarien, dem Libanon, Rumänien, der Türkei und Tunesien. Die Praxis wurde aus unterschiedlichen Gründen aufgesucht. Drei Patientinnen kamen im Zusammenhang mit Schwangerschaftsbeschwerden. In drei Fällen wurde Patienten geholfen, die lebensbedrohlich erkrankt waren: Ein Patient litt unter einer Lungenentzündung in weit fortgeschrittenem Stadium. Ihm konnte durch Antibiotika gerade noch geholfen werden. Gleiches erhielt ein Patient mit einer durch Bakterien hervorgerufenen massiven Herzschwäche. Bei einem Patienten war die Batterie des Herzschrittmachers leer. Andere Patienten litten zum Beispiel unter schwerer Diabetes, Blasenentzündung und Verletzungen.

„Wir gehen auch davon aus, dass sich unser Angebot bei den Betroffenen noch nicht ausreichend herumgesprochen hat. Viele der Patienten brachten Dolmetscher mit, weil sie der deutschen Sprache nicht mächtig waren. Dieser Personenkreis ist über die deutschen Medien nicht zu erreichen. Die Betroffenen haben überdies untereinander vielfach kaum Kontakt“, so Grobe.

Im Hinblick auf die Schwere der behandelten Krankheiten beschlossen die beteiligten sieben Ärzte, die Praxis weiterhin montags offen zu halten. „Wir würden uns dazu Hilfe von Fachärzten wünschen, die sich bereit erklären, in ihren Praxen jährlich ein bis zwei Untersuchungen gratis durchzuführen. Besonderer Bedarf besteht an Gynäkologen, da die offene Praxis SOZIUS über keine Geräteausstattung und auch nicht über die spezielle Fachkenntnis verfügt“, so der Vereinsvorsitzende. An ihn können sich hilfsbereite Ärzte gern unter der Mailadresse regiomobil-pinneberg@gmx.de oder der Telefonnummer 04101-3737904 gern wenden. Alle an der Praxis SOZIUS Beteiligten arbeiten ehrenamtlich. Der Verein finanziert die notwendigen Medikamente für die Patienten aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen. Die offene Praxis SOZIUS ist jeden Montag von 18 bis 19 Uhr im „Haus der Begegnung“ im Hainholzer Damm 11 in Elmshorn geöffnet. Behandelt werden ausschließlich Personen, die keinen Anspruch auf medizinische Versorgung haben. Die Behandlung ist kostenlos und anonym. Bei Bedürftigkeit übernimmt der Verein in begrenztem Umfang die Kosten für notwendige Medikamente.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert