Betreuungszeiten im Fokus

Im September hatten Politiker und Verwaltungsmitarbeiter die DRK-Kindertagesstätte besucht und waren begeistert von den neu gestalteten Räumen wie der Küche. Da die Tornescher Einrichtungen nun alle auf dem selben Stand sind, gilt es für die Beteiligten, finanziell gerechte Voraussetzungen zu schaffen.
Im September hatten Politiker und Verwaltungsmitarbeiter die DRK-Kindertagesstätte besucht und waren begeistert von den neu gestalteten Räumen wie der Küche. Da die Tornescher Einrichtungen nun alle auf dem selben Stand sind, gilt es für die Beteiligten, finanziell gerechte Voraussetzungen zu schaffen.

In Tornescher Kitas gelten für die gleichen Gebühren derzeit unterschiedliche Regelzeiten / Verwaltung erarbeitet gerechte Lösung

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06. Januar 2018, 17:19 Uhr

Welche Betreuungszeiten gibt es künftig an den Kindertagesstätten in Tornesch? Mit dieser Frage beschäftigt sich derzeit die Tornescher Verwaltung. Denn momentan ist zum Beispiel die Kernzeit, die sogenannte Ganztagsbetreuung, unterschiedlich geregelt. So werden Kinder in der DRK-Kita an der Friedlandstraße bis 17 Uhr betreut, während Eltern ihren Nachwuchs aus anderen Einrichtungen bereits um 16 Uhr abholen müssen − die Gebühren sind allerdings gleich. Ein Umstand der auf Dauer ungerecht ist, wie Politik und Verwaltung erkannt haben. Bis zur nächsten Sitzung des Sozialausschusses Ende Februar soll es eine tragfähige Lösung geben.

Das Thema ist jedoch vielschichtiger als es auf den ersten Blick scheint. Denn die Ungleichbehandlung war bislang sogar erwünscht. Grund ist die Tatsache, dass Gebäude und Räume der in den 1970er-Jahren gebauten DRK-Kita nicht mit den übrigen Einrichtungen in der Stadt vergleichbar waren, wie Sabine Kählert, Leiterin des Amts für soziale Dienste, betont. Der finanzielle Vorteil war also gewissermaßen ein Ausgleich für die nicht optimalen Verhältnisse an der Friedlandstraße.

Die gehören seit September 2017 allerdings der Vergangenheit an. Die Einrichtung ist komplett saniert worden und entspricht nun einem vergleichbaren Neubau. Entsprechend sagt Kählert: „Jetzt sollten wir die Betreuungszeiten an die Zeiten der anderen Einrichtungen und die Entgeltordnung anpassen.“ Denn den Eltern, deren Kinder mit einer Kernbetreuungszeit bis 16 Uhr betreut werden, entsteht ein finanzieller Nachteil in Höhe von monatlich 32 Euro. Dies gilt für den Elementarbereich, im Krippenbereich sind es sogar 54 Euro.

Diese Zahlen hatte Kählert bereits während der Sitzung des Sozialausschusses Ende November präsentiert und dafür geworben, die Regelöffnungszeit einheitlich auf 16 Uhr festzulegen. Damit wollten sich einige Eltern allerdings nicht anfreunden. „Sie sollten lieber dafür sorgen, dass die Betreuung in allen Einrichtungen generell bis 17 Uhr erfolgt“, so der Appell eines Vater an die Politik. Auch Elternvertreterin und Mitglied der Kreiselternvertretung Elena Mohr brachte ihr Unverständnis über die Pläne zum Ausdruck. Sie verwies zudem auf die Awo-Kita Lüttkamp, die als Betreuungszeit 8 bis 16.30 Uhr für die Ganztagsgebühr anbietet. Ein Umstand, der den Kommunalpolitikern augenscheinlich nicht bekannt war. Deswegen beschlossen sie, vor einer Entscheidung zunächst weitere Informationen einzuholen.

Derzeit ermittelt die Verwaltung, wie hoch der tatsächliche Bedarf für eine Betreuung bis 17 Uhr ist. Kählert räumte im Gespräch mit unserer Zeitung ein, dass es klüger gewesen wäre, die Zahlen vor der Sozialausschusssitzung zu ermitteln. Bis zum nächsten Treffen des Gremiums am 26. Februar soll nun ein tragfähiges Konzept vorliegen. Wie das aussehen könnte? Eine Option sei, das Ende der Kernbetreuungszeit einheitlich auf 16.30 Uhr festzuschreiben, so Kählert. Die Möglichkeit der Betreuung bis 17 Uhr würde dann über einen Spätdienst, der individuell von den Eltern hinzu gebucht werden könnte, sichergestellt werden. Auf dieser Grundlage wird bereits ein Frühdienst von 7 Uhr beziehungsweise 7.30 bis 8 Uhr angeboten, der zum Ganztagsbeitrag zusätzlich gebucht werden kann.

Ob es so kommen wird, ist unklar, denn ein weiterer Aspekt kommt bei dem Thema zum Tragen, der Fachkräftemangel. Laut Kählert wird es zunehmend schwerer, qualifizierte Mitarbeiter für Kindertagesstätten zu finden. Das habe auch die Kita-Aufsicht bestätigt. Die Experten aus der Kreisverwaltung haben zudem darauf hingewiesen, dass der Standard für die Ganztagsbetreuung eigentlich kreisweit bei acht Stunden liegen sollte.

In der DRK-Kita hatte sich bis November zudem ein personeller Fehlbedarf von mehr als 2200 Stunden angehäuft. Schuld seien Langzeiterkrankungen sowie Elternzeiten, so Kählert. Auch aus diesem Grund hatte die Kita-Aufsicht darauf gedrängt, die Regelöffnungszeit zu reduzieren − und sogar damit gedroht, dies zwangsweise durchzusetzen. Doch das ist mittlerweile vom Tisch. „Davon habe ich nichts mehr gehört“, sagt Kählert. Denn das Personalproblem habe sich zwischenzeitlich entspannt.

Sollte die Tornescher Politik für eine Änderung der Betreuungszeiten in der DRK-Kita stimmen, würden diese zunächst lediglich für Neuaufnahmen gültig. Die bestehenden Betreuungsverträge würden erst zum neuen Kindergartenjahr mit Beginn am 1. August gemeinsam mit der Neufestsetzung der Kita-Gebühren angepasst.

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