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Uetersener Nachrichten

24. August 2017 | 01:48 Uhr

Neue Kollegin : Betreuung für die Betreuer

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Ihre Visitenkarte weist sie als Mitarbeiterin der Stadt Pinneberg aus. Welche Aufgaben sie in der Verwaltung genau erfüllt, das steht nicht nur in Deutsch, sondern auch in Französisch, Englisch und Arabisch unter ihrem Namen: Pia Kohbrok ist die neue Flüchtlingskoordinatorin der Stadt. Gestern hatte sie, die so sehnlich erwartet wurde, ihren ersten Arbeitstag.

28 Jahre jung ist die Sozial- und Politikwissenschaftlerin, die in ihrer Heimatstadt Hamburg und Magdeburg studiert hat, lange für eine Menschenrechtsorganisation arbeitete und inzwischen Workshops zum Thema Flucht und Migration anbietet. 45 Konkurrenten warf sie aus dem Rennen um den Verwaltungsjob, wird sich nun mit halber Stundenzahl und vorerst befristet auf zwei Jahre um die kümmern, die die Flüchtlinge ehrenamtlich betreuen.

„Diese Stelle leistet sich die Stadt, weil es unbedingt notwendig ist. Die hauptamtliche Betreuung der Ehrenamtlichen ist bislang zu kurz gekommen“, sagte Verwaltungssprecher Marc Trampe. Eine weitere Hürde für die finanzschwache Kommune, die noch in der Phase der Haushaltskonsolidierung ist und sich jeden neuen Posten im laufenden Etat vom Innenministerium genehmigen lassen muss!

Auf Pia Kohbrok kommt viel Arbeit zu, möglicherweise zu viel für die veranschlagte Wochenarbeitszeit. „Das wird in jedem Fall eine Herausforderung“, sagte sie denn auch gestern im UeNa-Gespräch. Sie wolle versuchen, ihre Anwesenheit genau den Bedürfnissen der Ehrenamtlichen anzupassen. Die etwa 15 Bürger, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren, soll sie vernetzen, ihnen als Ansprechpartnerin zur Seite stehen. Sie wird für einen regelmäßigen Austausch sorgen und weitere Interessierte ihren Fähigkeiten entsprechend in den verschiedenen Bereichen einsetzen, in denen Ehrenamtliche tätig sind. Sie wird sich mit Organisationen wie Diakonie und DRK abstimmen und auch hier ein Netzwerk aufbauen. „Zunächst muss ich mir aber einen Überblick über die gegenwärtige Lage und die Stimmung unter den Ehrenamtlichen verschaffen“, sagte sie. Viele Gespräche stehen in den nächsten Wochen an, ein Runder Tisch ist geplant. Derzeit werden in Pinneberg 340 Flüchtlinge betreut. Marc Trampe rechnet bis Jahresende mit einer Verdopplung der Zahl.

Hintergrund Auch in Pinneberg wird fieberhaft nach weiteren Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge gesucht. Im Gespräch ist das ehemalige DRK-Altenheim am Rehmen, das 2011 geschlossen wurde und seitdem leer steht. Hier wäre Platz für 100 Menschen. Außerdem könnte in der Müssentwiete auf dem Parkplatz einer Sportanlage im kommenden Jahr eine neue Unterkunft für 36 Flüchtlinge entstehen.

Weil sich die Kosten für Container teilweise verzehnfacht haben und die Wartezeit für die Anlieferung bei sechs bis acht Monaten liegt, will die Stadt dabei einen anderen Weg gehen und setzt auf eine Unterkunft in massiver Holzbauweise. Runde eine Million Euro plant die Stadt dafür. Das Haus besteht aus 18 Zweibettzimmern, Küchen und Sanitärbereichen, die sich bis zu zehn Bewohner teilen. „Das Prinzip ähnelt dem einer Wohngemeinschaft, in der sich auch immer mehrere Leute Bad und Küche teilen“, sagte Marc Trampe. Stemmen kann die Stadt das unter anderem deshalb, weil sie sich von dem Plan, mehrere kleinere Einheiten zu bauen, verabschiedet hat. „Damals sind alle von anderen Flüchtlingszahlen ausgegangen“, so Trampe. Inzwischen habe ein Umdenken hin zu größeren Einheiten eingesetzt. cel

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erstellt am 01.Okt.2015 | 21:32 Uhr

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