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Henri-Goldstein-Haus : Beispiel der Terror-Herrschaft

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Es soll die erste Gedenkstätte im Kreis Pinneberg zur Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialimus werden. In dem Henri-Goldstein-Haus in Quickborn wohnten von 1943 bis 1945 mehr als 50 jüdische Häftlinge, darunter der Namensgeber des Gebäudes. Täglich mussten sie in dem benachbarten Himmelmoor Torf stechen.

shz.de von
erstellt am 12.Feb.2016 | 19:47 Uhr

Einen prominenten Unterstützer gewann der 2013 gegründete Träger- und Förderverein Henri-Goldstein-Haus am Mittwoch. Der Kreis Pinneberg beschloss einstimmig, Mitglied werden zu wollen.

Der Jahresbeitrag in Höhe von 24 Euro wird den Handlungsspielraum des Vereins zwar nicht viel erweitern. Aber der Kreispräsident Burkhard E. Tiemann betonte: „Es geht um das Signal, das wir mit diesem Beschluss aussenden.“ Seine Stellvertreterin Sabine Schaefer-Maniezki unterstrich die „große ideele Bedeutung“ der Mitgliedschaft. „Es soll dort Erinnerungsarbeit auch im Namen des Kreises Pinneberg gemacht werden“, betonte sie bei der Vorstellung des fraktionsübergreifenden Antrags auf Beitritt. Einen Blick auf Gegenwart und Zukunft sollen Veranstaltungen über Neonazismus, Fremdenhass und Intoleranz werfen.

Zur Zielgruppe erklärte der Verein vor allem junge Menschen. Sie sollen ein anschauliches Beispiel der Auswirkungen der Terror-Herrschaft vor Ort erhalten. „Das Lager im Himmelmoor war kein KZ und kein Vernichtungslager. Es zeigt aber, dass der Nazi-Terror in jedem Dorf Raum gewonnen hat“, sagte Sabine Schaefer-Maniezki.

Der Belgier Henri Goldstein geriet 1940 in deutsche Gefangenschaft. Nach der Zwangsarbeit im Himmelmoor befreiten die Briten ihn und seine Leidensgenossen am 4. Mai 1945. Erst 55 Jahre später erkannte der damalige Quickborner Bürgermeister ihm die Zeit als Zwangsarbeit an. Den Antrag dazu hatte Goldstein bereits 1977 und 1994 gestellt.

Das Henri-Goldstein-Haus gehört zu einem Ensemble aus drei roten Backsteingebäuden, die den Landesforsten gehören. Der Förderverein will die Räume in der Kieler Straße 157 so herrichten, dass sie den Zuständen von 1944/45 entsprechen. Er will historische Ausstattungsstücke zeigen, die zurzeit in der Gedenkstätte Neuengamme verwahrt werden. Aus dem Jüdischen Museum in Rendsburg soll ein Spiegel mit den Namen der jüdischen Kriegsgefangenen zurückgeholt werden.

Das Haus ist bereits denkmalgeschützt, als Gedenkstätte aber noch nicht anerkannt. „Die Eintragung ist in absehbarer Zeit zu erwarten“, sagte Sabine Schaefer-Maniezki.

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