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Uetersener Nachrichten

16. Dezember 2017 | 05:14 Uhr

Einweihung : Baum der Erinnerung

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Wer die Hauptstraße durch das Dorf nimmt, wird in Höhe der Durchfahrt zum Hafen des Wassersportvereins etwas Neues entdecken.

shz.de von
erstellt am 19.Feb.2012 | 21:21 Uhr

Ein „Sturmflutbaum“ ist dort aufgerichtet worden. Er dokumentiert nicht nur die zerstörerischen Fluten, sondern soll auch die Menschen mahnen, nicht nachlässig zu werden und die Gefahren dieser Naturkatastrophen weiter im Blick zu behalten. „Wir können immer wieder nasse Füße bekommen in Neuendeich“, sagte Bürgermeisterin Bärbel Thiemann während einer kleinen Feier, mit der der Sturmflutbaum im Kuhlworth offiziell eingeweiht wurde.

Erarbeitet hat Michael Kruse das Gebilde, der schon mit seiner Arbeit am kulturhistorischen Wanderweg durch Neuendeich wesentliche Impulse zur Aufarbeitung der Dorfgeschichte gesetzt hatte. Die Schilder sind realisiert worden von Fotografie Plautz aus Haseldorf. „Nicht belehrend, sondern inspirierend“ wollte Kruse wirken. Und er arbeitet auch ein Stück seiner eigenen Geschichte auf, erklärt der gebürtige Neuendeicher, der direkt an der zweiten Deichlinie lebt. Ganz oben zu finden ist die Sturmflut von 1976, bei der Deiche in Hetlingen brachen. Es folgt die Katastrophe von vor 50 Jahren, bei der die Haseldorfer und Seestermüher Marsch nur verschont blieben, weil in Wilhelmsburg zahlreiche Dämme brachen und rund ein Sechstel des Stadtgebietes unter Wasser stand.

Unterschiede entdeckt, wer die Höhen der jüngeren Sturmfluten auf dem Baum mit denen der Aufzeichnungen oder auf Internetseiten vergleicht. Kruse hat die Daten für Kollmar und das Pinnausperrwerk auf Neuendeich umgerechnet. Eingezeichnet wurde auf dem Sturmflutbaum auch die Höhe der ersten Deichlinie (acht Meter) an der Elbe und die der zweiten (sechs Meter) an der Pinnau. Die bisherigen Katatastrophen sind davon noch ein gutes Stück entfernt. Kruse warnte jedoch davor, sich in Sicherheit zu wiegen. Man müsse bedenken, dass angesichts des Windes sich Wellen bilden, die über die Deiche schwappen können, erklärt er.

Kruse beschränkte sich bei seiner Auswahl der historischen Fluten auf diese, die die Region betrafen. 1967 wurde zum vorerst letzen Mal Uetersen überflutet und bei der Februarflut 1825 die Seestermüher Marsch. Das Kirchspiel Bishorst ging 1745 endgültig unter. Die jüngste, auf dem Baum eingetragene Sturmflut ist für Kruse der Beleg, dass jederzeit eine Katastrophe den Menschen überraschen kann. Auf 5,04 Meter über Normalnull stieg die Elbe am 9. Novembr 2007. Er erinnert sich: „Damals lagen wir alle in unseren Betten und haben nichts mitbekommen.“

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