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Betrug : Bald Prozessbeginn im Fall Harles und Jentzsch

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Im Niedersächsischen Dinklage war es, als am 21. Dezember 2010 ein Mischfutterhersteller erhöhte Dioxinwerte entdeckt und diese dem zuständigen Landesamt meldet. Schnell ist klar, woher das vergiftete Futterfett stammt: aus Uetersen, von der Firma Harles und Jentzsch. Bereits am 3. Januar 2011 sind schon über 100000 Dioxin-Eier verkauft; 8000 Legehennen einer Hüherfarm im Kreis Soest müssen wegen des verseuchten Futtermittels getötet werden.

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erstellt am 15.Mär.2013 | 21:19 Uhr

Bereits Anfang Januar 2011 nimmt die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen auf. Man geht davon aus, dass rund 3000 Tonnen Dioxin-Fett ins Futter von Hühnern, Mastgeflügel und Schweinen gemischt wurde. 150000 Tonnen verseuchtes Tierfutter könnte betroffen sein. Am 6. Januar sind bereits Fälle in zwölf Bundesländern bekannt. Rund 4700 Bauernhöfe und Hühnerfarmen sind gesperrt.

Dann wird bekannt, dass das verseuchte Tierfutter schon seit Anfang 2010 im Umlauf ist. Proben ergeben, dass die Lieferungen von Harles und Jentzsch 78 mal höher mit Dioxin belastet sind, als erlaubt. Bereits in den Umlauf gelangt ist das Fleisch von Schweinen, die mit verseuchtem Futter gemästet wurden. Am 12. Januar 2011 stellt Harles und Jentzsch dann Insolvenzantrag.

Ende Juni schließlich haben die 277 Gläubiger von Harles und Jentzsch ihre Forderungen zusammengerechnet: 19 Millionen Euro werden beziffert. Davon sind alleine 15 Millionen Euro Schadensersatzforderungen.

Nun, nach zweijähriger Ermittlungsarbeit, hat die Staatsanwaltschaft Itzehoe Anklage erhoben. Allerdings hat die Anklage mit der Dioxinbelastung nichts zu tun. Denn für das Inverkehrbringen von über die gesetzlichen Höchstgrenzen hinaus mit Dioxin belasteten Futterfetten und Futterfettsäuren konnte den Angeschuldigten kein Vorsatz nachgewiesen werden. Die Anklage lautet nun immerhin: gemeinschaftlich begangener gewerbsmäßiger Betrug und Vergehen gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch in 102 Fällen. Angeschuldigt sind der ehemalige Geschäftsführer des Unternehmens, Siegfried S. und der damalige Prokurist des Hauses, Klaus-Hinrich V. Die Männer sollen von Oktober 2009 bis Juli 2010 bei der Herstellung von mehr als 2300 Tonnen Futtermittel sogenanntes „Pflanzenfett“ verkauft haben, in das zuvor Fettsäuren aus Speiseabfall gemischt wurde. Insgesamt soll die Firma verunreinigtes Fett in Höhe von rund 1,2 Millionen Euro verkauft haben. Die Angeschuldigten schweigen bisher.

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