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Eröffnung : Ausstellung wider die Nachlässigkeit

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Wer das Bürgerbüro Haseldorfer Marsch betritt, läuft geradewegs auf eine Marke zu, die an einer Stellwand knapp unter der Decke angebracht wurde. 5,00 Meter über Normalnull steht darauf und das Datum 16. und 17. Februar 1962. Das Original hängt am Schöpfwerk Klevendeich und dokumentierte den höchsten Wasserstand bei der schweren Sturmflut vor 50 Jahren.

shz.de von
erstellt am 16.Feb.2012 | 21:09 Uhr

Rolf Herrmann hat sie in seine Ausstellung „Die große Flut 1962“ aufgenommen, die gestern im Bürgerbüro Haseldorfer Marsch eröffnet wurde. Damit zeigt er auf, was passiert wäre, wenn nicht die Deiche in Hamburg gebrochen wären. 315 Menschen fanden in der Freien und Hansestadt den Tod.

Denn bereits am Nachmittag des 16. Februar 1962 stand das Wasser in der Haseldorfer Marsch kurz unter dem Deichfuß. Und am Morgen des 17. Februar sahen die Marschmer die Schäden an der der Elbe zugewandten Seite des Deichs. „Sagenhaft, dass alles noch Stand hielt“, fasst der Haselauer Bürgermeister die Erinnerung der damaligen Deichgänger zusammen. Nur der Pinnaudeich in Moorrege nahe des Geesthanges war gebrochen.

Am Nachmittag des 16. Februar ging Oberdeichgraf Hannes Plüschau sowie Feuerwehrleute mit Feuerwehrhörnern durch die Dörfer, und warnten die Menschen, berichtete Herrmann während der Ausstellungseröffnung. Es versammelten sich die Leute, doch es war schnell klar, dass nicht viel getan werden konnten, außer den Deich zu beobachten. Deichläufer machten sich dann auf den Weg. Sie konnten in der Nacht jedoch wenig sehen. Es war zwar Vollmond, aber es regnete bei einer geschlossenen Wolkendecke. Am 19. Februar 1962 wurden übrigens alle männlichen Hausbesitzer zum Katastropheneinsatz einberufen. Mit Sandsäcken sind die Deiche gesichert worden. „Eine Verweigerung wird bestraft!“ heißt es in der Einladung.

„Die Erinnerungen an die Sturmfluten war nicht mehr so wach“, zieht Herrmann eine Vergleich zwischen dem Jetzt und der Zeit vor 50 Jahren. Nachlässigkeit habe sich damals breit gemacht. 1925 hatte es zwar die bisher höchste Sturmflut an der ostfriesische Küste gegeben, doch Menschenleben kostete sie nicht. Opfer forderte eine schwere Sturmflut in Deutschland das letzte Mal 1825. Bei der „Februarflut“ kamen 800 Menschen ums Leben. Als Reaktion auf die schwere Sturmflut vor einem halben Jahrhundert hatte Schleswig-Holstein 1963 einen Generalküstenplan verabschiedet. Seit kurzem gibt es eine Fortschreibung. Und das ist für Herrmann gut so, denn „Deichverteidigung währt immerfort.“

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