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Uetersener Nachrichten

23. August 2017 | 06:40 Uhr

Toall und Malwerk : Ausstellung bei IEN

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Ein starker Kontrast: Auf der dunklen Nordsee treibt ein flacher weißer Kahn. Unter düsteren Gewitterwolken ragen rote, blaue, gelbe und grüne Zipfelmützen aus dem Boot. Zwerge drängelnd sich hinter der Bordwand aneinander. Sie wagen nicht den Blick zu heben, doch ihre Mützen leuchten froh.

„Die Überfahrt der Zwerge nach Amrum“ heißt das Bild der jungen Künstlerin Sophie Bartel aus Ellerhoop. Es gehört zu einem Reigen aus sieben Gemälden zu dem Thema „Sagen“. Zu sehen sind sie in der Galerie für Kunst und Kultur des Vereins TOrnescher ALLerlei. Etwa 30 Gäste besuchten die Vernissage.

In der Ausstellung trifft Alt auf Jung: Nachwuchskünstler aus Uetersen, Tornesch und Ellerhoop malten Motive alter norddeutscher Sagen. Als Kontrast dazu zeigt der TOALL-Vorsitzende Hanfried Kimstädt Sagen-Darstellungen aus dem frühen 20. Jahrhundert. Im Begleitheft veröffentlicht der 76-jährige Lehrer Klaus Mühlfried aus Tornesch einen Aufsatz, in dem er Sagen-Typen herausarbeitet und auf norddeutsche Ausgestaltungen wie etwa Sagen der Insel Sylt eingeht.

„Kaum einer kennt noch Sagen. Man verachtet sie. Dabei lohnt es sich, diese Sachen zu lesen“, sagte er bei der Vernissage. Der Lehrer für Deutsch und Geschichte beschäftigte sich intensiv mit Sagen, als er nach der Pensionierung im Jahr 1996 in Hamburg Kunstgeschichte und Volkskunde studierte. Sagen ähneln seiner Einschätzung nach den modernen Fantasy-Romanen. Mühlfried ist sich daher sicher: „In den Sagen ist eine Menge, was auch jungen Leuten Spaß machen würde.“ Dass sich Nachwuchskünstler für die Ausstellung mit dem Thema auseinander setzten, freut ihn sehr. „Diese Art zu illustrieren finde ich schön“, sagte Mühlfried.

Drei Monate lang arbeiteten Gabriele Merz-Bartels, Inhaberin des Ateliers Malwerk in Tornesch, und ihre Malschüler Maurice von Hacht (17) aus Uetersen, Rebecca Willcox (13) und Ann-Marie Rechter (23) aus Tornesch, Sophie Bartel mit Sagen-Motiven. Anregungen zogen sie aus dem Buch „Sagenhaftes Schleswig-Holstein“ von Uwe Steffens. Von Hacht malte die Entstehung Altonas. Rechter setzte den „Werwolf von Ottensen“ in Szene. Willcox stellte die „Hexen als Sturzwellen“ dar, Merz-Bartels „Das Riesenschiff Manigfual“. Auf Tafeln neben den Bildern können die Textanfänge der Sagen nachgelesen werden. Die Ausstellung im Kuhlenweg 1-3 ist montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr geöffnet. Sie läuft bis Freitag, 28. November. Für den Tag lädt Merz-Bartels zu einem gemütlichen Nachmittag in ihr Atelier, Moorreger Weg 3, ein. Ab 16 Uhr gibt es Kaffee, Kuchen und Sagen.

ToAll-Vorsitzender will abschrecken

Neben den Werken der Malschüler stellt Kimstädt zwei alte Sagen-Darstellungen aus, mit denen er die Herkunft eines Tornescher Straßennamens aufklären will: Der Jungfer-Tellsche-Weg erinnert an die Sagengestalt „Telse von Kampen“, die vor mehr als 500 Jahren den Dithmarscher Bauern in der Schlacht bei Hemmingstedt zum Sieg über den dänischen König verholfen haben soll. Der Archivar des Dithmarscher Landesmuseums wies Kimstädt auf zwei Darstellungen hin: „Die Schlacht bei Hemmingstedt“ von Max Koch (1859–1930) aus dem Jahre 1910 und „Jungfer Telse von Kampen in der Schlacht von Hemmingstedt“ von Arthur Kampf (1864–1950).

Gerade mit dem letztgenannten Gemälde will Kimstädt auf den Missbrauch von Sagen-Motiven hinweisen.

Kampf zählt zu den sogenannten Blut-und-Boden-Malern, die während des Zweiten Weltkriegs die nationalsozialistische Ideologie der Einheit eines rassisch definierten Volkes mit seinem Land aufgriffen. Das Gegenüber der Bilder zeige: Koch hält sich an die Sage und lässt Telse eine weiße Fahne tragen.

Bei Kampf hat sie dagegen ein blutiges Schwert in der Hand. „Es ist fürchterlich, was die sich alles dabei gedacht haben. Wenn ein intelligenter Mensch davor steht, sieht der das“, sagte Kimstädt. Das Bild solle abschrecken und zum Nachdenken anregen. (jhf)

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erstellt am 29.Okt.2014 | 21:36 Uhr

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