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Uetersener Nachrichten

17. Oktober 2017 | 17:34 Uhr

Konzert : Aufregend, spannend, warm

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Wer sie hört, erklärt die Klarinette sofort zu seinem Lieblingsinstrument: Sabine Meyer, Professorin an der Musikhochschule in Lübeck, wusste auch in der sonst so strengen Atmosphäre des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) in der Rellinger Kirche mit ihrem substanzvollen Spiel Klassik-Fans in den allerhöchsten Himmel des Genusses zu heben.

shz.de von
erstellt am 14.Jul.2013 | 18:00 Uhr

Und sie hatte musikalische Partner dabei, die seit zehn Jahren auf dem Weg sind, den Zenit der Musiker-Karriere, den Meyer als Weltstar erreicht hat, zu erklimmen. Das Quatuor Modigliani, ein französiches Streichquartett mit Phillipe Bernhard, Violine, Loic Rio, Violine, Violoncello Laurent Marfaing, Viola, und Francois Kieffer begeisterte die Gäste mit Haydns elegischem Streichquartett B-Dur op. 50 Nr. 1 und Mauric Ravels genialem Streichquartett F-Dur, aufregend, spannend, mit großartiger Wärme interpretiert.

Diese ungewöhnliche Wärme ist es auch, die den Klang von Sabine Meyers Klarinette ausmacht. Dass die Klarinette sprechen, flüstern, schimpfen und jubilieren kann, wissen viele. Nur – das Spiel von Sabine Meyer verleiht ihr das gewisse Timbre, die Berührung der Seele, die im Gedächtnis unauslöschlich als himmlische Erinnerung bleibt.

Und genau da dockt das Quatuor an, unterstreicht im wahrsten Sinne des Wortes Sabine Meyers Spiel beim abschließenden zweiten Teil des Konzertes mit Mozarts Klarinettenquintett A Dur. Viel, eigentlich noch viel mehr verdienter Applaus, ein Stück aus einem Menuett von Weber als Zugabe. Sabine Meyer scheute sich nicht, nach dem Konzert noch ihre CDs, Programmhefte oder Karten zu signieren, kleine Gespräche mit ihrer Fangemeinde inbegriffen.

Rund um die Kirche ist die Atmosphäre nicht nur wegen der Renovierung und des einkerkernden Baugerüstes eher gedämpft: eine einzige Toilette mit langen Schlangen davor, ein paar lieblos aufgestellte klapprige Bänke und ein Glas Mineralwasser zum Selbstabholen für 3,50 Euro aus dem angrenzenden Restaurant sorgen für düstere Mienen. Und wenn dann noch der Pastor in seiner Eröffnungsrede behauptet, Sinn und Tradition des Festivals sei es, dass globale Künstler auf regionale treffen, nimmt es den Glanz. Denn genau der Sinn des SHMF, große musikalische Kunst zu den Menschen auf dem Lande zu bringen, war hier gerade geschehen.

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