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Schäferhof Appen : Auf Öl zu stoßen muss kein Glück sein

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Nach zwei Metern ist er auf Grundwasser gestoßen, nach vier Metern auf Kies aus der vorletzten Eiszeit, nach acht Metern auf Glimmerton, einen mehrere Millionen Jahre alten, dunklen Glitzer-Sand, der von den Gletschern aus Skandinavien mitgeschleift wurde. Nur Öl hat der Elmshorner Geologe und Baugrundgutachter Thomas Voß bei einer Bohrung am Sonnabend in Appen auf dem Schäferhof nicht gefunden.

shz.de von
erstellt am 13.Mai.2012 | 20:55 Uhr

Das sei aber auch gar nicht erstrebenswert. „Wenn man Öl findet, ist es wahrscheinlich eine alte Tankstelle. Wenn es eine sprudelnde Ölquelle sein sollte, gehört sie nicht dem Schäferhof, sondern dem Staat“, erläuterte der 42-Jährige den rund 35 Zuschauern und verteilte Gletscherbonbons. Die lutschten, rochen an den unterschiedlich feuchten Bodenproben und ließen sich in Sekunden mehrere Eiszeiten durch die Finger rieseln.

Ein Jahr nach der Eröffnung eines sogenannten Natur- erlebnisraums auf dem Gut Schäferhof richteten die Mitarbeiter einen Aktionstag aus. Das staatlich geförderte Areal soll eine naturverträgliche Erholung und die Umwelt- bildung fördern. In Schleswig-Holstein gibt es 64 solcher Klassenzimmer unter freiem Himmel. Der Appener Garten steht unter dem Motto „Archäologie, Geologie und Ökologie“. Rund 100 Gäste tauchten dort am Sonnabend in die Steinzeit ein.

Vor einer Kote hatte der Archäologe Holger Junker ein Lagerfeuer angezündet, allerdings nicht mit Streichhölzern. Die wurden nämlich erst 1832 patentiert. Auch der Gebrauch eines Schlageisens war dem Hamburger zu modern. 3000 Jahre lang hatten Menschen damit aus Katzengold, einem eisenhaltigen Gestein, Funken geschlagen. „Wir wollen Feuer machen wie vor 6000 Jahren“, kündigte der bärtige Museumspädagoge an.

Zahlreiche Kinder umringten Junker, als er zwischen den Fingern die Wolle eines Schilfrohrs zerrieb. Damit kleidete er eine Schale aus, hielt darüber das Katzengold und schlug mit einem Feuerstein darauf, bis glühende Eisenteilchen herausspritzten. Als die Wolle zu glimmen begann, gab er Sägespäne hinzu. Dann pusteten die Kinder in die Schale, bis Flammen herausschlugen. Am Feuer buken sie Brötchen.

Das alte Handwerk der Schafschur führten Horst Bartel aus Heist und Hof-Mitarbeiter Wilfried Stake vor. Sie setzten zwar einen elektrischen Rasierer ein, aber die Rasse der rauhwolligen pommerschen Landschafe ist seit mindestens 3600 Jahren bekannt. Von den drei Muttertieren des Hofes fielen etwa neun Kilogramm Wolle ab. Die fünf Lämmer werden erst nächstes Jahr geschoren. Die Wolle wird in Hochbeeten als Langzeitdünger und Drainage-Schicht verwendet.

Dass das Kräuterbeet des grünen Klassenzimmers in der Form eines menschlichen Körpers angelegt ist, entdeckten die Besucher erst langsam. Die Appener Heilpraktikerin Maren Ziegler hatte die Pflanzen an die Körperstellen gesetzt, an denen sie helfen: Beifuß gegen müde Füße, Magenbitter für die Verdauung, Salbei gegen Halsschmerzen. Auf dem Schäferhof finden Menschen mit Behinderung oder sozialer Benachteiligung Arbeit. Ohne sie gäbe es den Naturerlebnisraum nicht.

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