Therapie : Auch mal ohne Messer

Seit vergangenen Oktober gibt es für Menschen mit schweren Rückenproblemen neben Operation und herkömmlicher Behandlung einen neuen Weg: die Manuelle Medizin. Am Klinikum Wedel existiert nämlich seit einem Jahr eine Station, die mit einem sogenannten multimodalen Konzept arbeitet. Spezialisten aus Orthopädie, Psychologie und Physiotherapie ergründen gemeinsam und interdisziplinär die Ursachen der Beschwerden und erarbeiten einen individuellen Therapieplan.

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07. September 2012, 20:21 Uhr

Bevor zur Operation geraten wird, oder herkömmliche konservative Methoden angewandt werden, wird versucht, den wahren Grund für die Erkrankung zu finden. Gerade bei Bandscheibenvorfällen, stecken oft psychologische Ursachen wie Überlastung oder besonders belastende Lebenssituationen hinter den vordergründig diagnostizierbaren physischen Defekten. „Wir lernen den Patienten durch den sehr intensiven persönlichen Kontakt während des stationären Aufenthalts sehr gut kennen, sagt Dr. Vivien Lange, die fachverantwortliche Ärztin der Station. Die Orthopädin und Unfallchirurgin erklärt, dass die Menschen wieder mehr mit den Händen berührt werden und der Einsatz von zum Beispiel Tomografie-Geräten nicht als einzige Erkennungsmethode gesehen wird. Der Schlüssel zum Erfolg ist daher das Zusammenspiel der verschiedenen Spezialisten und ihr kommunikativer Austausch untereinander, während sie gemeinsam einen Patienten betreuen. Rund 80 Prozent der Patienten konnte im vergangenen Jahr geholfen werden. Ihnen blieb eine Operation erspart. Nur etwa einem Fünftel kann das Team der Manuellen Medizin nicht helfen und bei rund zwölf Prozent haben die Schmerzen ausschließlich psychologische Ursachen.

Die Krankenkassen im Norden halten sich hingegen mit der Übernahme der Kosten zurück, obwohl teure Operationen in vielen Fällen vermieden werden können. „Wir ringen bei der Mehrzahl der Fälle um eine Erstattung der Behandlungskosten“, so Paul Kudlich, der Kaufmännische Direktor der Klinik. In anderen Bundesländern wird die Therapie hingegen in der Regel übernommen.

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