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Uetersener Nachrichten

15. Dezember 2017 | 11:27 Uhr

Zuwanderung : Asyl mit Familienanschluss

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Sie sind sehr jung, Kinder noch, reisen allein unter strapaziösen Umständen oft tagelang in eine ungewisse Zukunft, landen schließlich im Kreis Pinneberg und brauchen hier vor allem eines: das Gefühl angenommen zu werden, willkommen zu sein. 34 minderjährige Flüchtlinge leben derzeit im Kreis Pinneberg, Tendenz steigend. Im Mai waren es noch 25, die meisten von ihnen sind zwischen 15 und 17 Jahre alt.

shz.de von
erstellt am 18.Aug.2015 | 20:34 Uhr

„Diese jungen Menschen sind wie Rohdiamanten, die wir schleifen müssen. Tun wir das nicht, verlieren wir sie an radikale Gruppierungen“, warnte Sezen Sezer, Kassenwartin im Verein Brücken der Kulturen. Zusammen mit dem Vorsitzenden Baris Karabacak traf sie sich gestern mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Ole Schröder, um für das Patenschaftsprogramm zu werben, das der Verein im Mai mit der Kreisberufsschule ins Leben gerufen hat. Bislang ist das Interesse von Paaren im Kreis Pinneberg verhalten. „Wir hatten elf Anfragen, zwei Familien haben sich schließlich entschlossen, tatsächlich die Patenschaft für einen Flüchtling zu übernehmen“, so Karabacak. Alle anderen sprangen ab – aus Angst vor der Herausforderung und der zeitlichen Belastung. Die, die bei der Stange blieben, kümmern sich um einen 16 Jahre alten Syrer und eine 17 Jahre alte Afghanin. Sie ist eine von insgesamt drei Mädchen in der gleichen Situation.

In einer Patenschaft sehen Karabacak und Vorstandskollegin Sezer die Chance, den Jugendlichen Orientierung und Halt zu geben, ihre Integration zu erleichtern und zu beschleunigen. „Sie werden mit der deutschen Lebensweise vertraut gemacht, lernen, sich adäquat zu verhalten, und kommen in Kontakt mit der deutschen Sprache“, sagte Sezen Sezer.

Bei ihrer durchaus herausfordernden Arbeit werden die Paten nicht allein gelassen. Der Verein Brücken der Kulturen steht ihnen ebenso zur Seite wie eine für die Kreisberufsschule zuständige Sozialpädagogin. Regelmäßige Treffen ohne ihre Schützlinge ermöglichen den Austausch, sie können Probleme besprechen und gemeinsam Lösungen suchen. Und auch die Zuteilung der jungen Flüchtlinge überlässt der Verein nicht dem Zufall. „Wir setzen uns mit den interessierten Paaren zusammen, schauen, ob eine Patenschaft infrage kommt und überlegen uns dann, welcher Jugendliche passen würde“, sagte Baris Karabacak. Dafür hat der Verein Lebensläufe von allen.

CDU-Bundestagsabgeordneter Ole Schröder unterstützt die Bemühungen des Vereins. „Jugendliche, die ihre Familien verlassen mussten und allein bei uns Zuflucht suchen, gehören zu den schutzbedürftigsten Personengruppen“, sagte er. Das Patenschaftsprogramm leiste einen wichtigen Beitrag zur Integration, und er wünsche sich ein größeres Interesse. Ein Sprecher der Kreisverwaltung bestätigte gestern Zahlen, wonach seit Jahresbeginn 1050 Asylbewerber im Kreis untergebracht wurden. Zum Vergleich: Im Jahr 2010 waren es 113. An der Spitze der Einwanderungsländer liegen derzeit Afghanistan, Syrien und Iran, gefolgt vom Kosovo und Albanien. Aktuell werden in der Ausländerbehörde 1693 Asylverfahren bearbeitet.

www.brueckenderkulturen.d

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