Klärschlamm : Arbeit an langfristigen Lösungen

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Wohin mit dem Klärschlamm, der beim Abwasser-Zweckverband (azv) anfällt? Auf diese Frage wird derzeit im Klärwerk an neuen und langfristigen Lösungen gearbeitet, nachdem der Ansatz einer Verbrennung in einer Energieverwertungsanlage (EVA) an dem Veto aus Hetlingen gescheitert war.

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16. Januar 2015, 21:01 Uhr

Nun soll der Prozess geteilt werden. Auf dem Gelände am Elbdeich wird eine neue Trocknung entstehen. Zusammen mit den Entsorgungsbetrieben Lübeck und der Stadtentwässerung Kiel plant man eine Verbrennungsanlage (zu dem letztgenannten Bereich lesen Sie den unten stehenden Artikel).

Das Problem der Trocknung stellt sich den azvlern seit 2013 deutlich schärfer, denn die alte Anlage musste damals außer Betrieb genommen werden. „Wenn damals ein Lkw mit Klärschlamm zur Verbrennung gefahren ist, so sind es jetzt vier“, erklärt Dr. Julia Weilbeer, Geschäftsbereichsleiterin Produktion. Denn im Klärschlamm ist jetzt deutlich mehr Wasser enthalten. Der zusätzliche Lkw-Verkehr verursacht beim azv Kosten und bei den Hetlingern Ärger über Lärm und Abgase.

Die alte Trocknungsanlage wurde mit Gas betrieben, was erhebliche Kosten verursachte. Die neue soll mit Wärme aus einem Blockheizkraftwerk arbeiten, das sich bereits auf dem Klärwerksgelände befindet. „Wir müssen also keine fossile Energie zukaufen“, erklärt Julia Weilbeer. Das BHKW wird mit beim Reinigungsprozess anfallendem Faulgas betrieben. Es produziert derzeit Wärme und Strom.

Geprüft wurde auch, ob die neue Trocknung mit Solarstrom betrieben werden könnte. Die dazu nötige Anlage hätte jedoch 40000 Quadratmeter groß sein müssen. „Wir leben eben in einer sonnenarmen Region“, bedauert die Ingenieurin.

Bei der Auswahl der Trocknung gehen die Klärwerker neue Wege. Es gebe klassische und zuverlässige Verfahren, berichtet die Planerin. Doch befeuert durch die Energiewende gebe es eine ganze Reihe von neuen Anbietern auf dem Markt. Der azv befindet sich in Verhandlungen mit dem Anbieter eines vielversprechenden Verfahrens, der bereit wäre, eine Testanlage auf dem Hetlinger Gelände zu errichten.

Die Hetlinger würden so erfahren, ob die neuen Methoden wirklich besser sind. „Der Praxistest ist eben unschlagbar“, so die Doktorin. Andere Klärwerksbetriebe in Norddeutschland machen sich übrigens derzeit auf einen ähnlichen Weg, Neuerungen zu beurteilen.

Grundsätzlich durchgewunken hat die Politik den Bau einer neuen Klärschlammtrocknung. Bis 2017 sollen die Planungen abgeschlossen sein.

Mächtig Protest hatte es gegen EVA auch gegeben, weil der geplante Baukörper von manchem als voluminös empfunden wurde und der Schornstein deutlich über die Wipfel der Pappelallee am Klärwerk ragte. Da kann die Chefplanerin die Nachbarn beruhigen. Die neue Halle werde sich in Größe und Höhe den bestehenden Bauwerken anpassen, so Julia Weilbeer.

Bis 2025 muss die Anlage stehenDer Verbrennung des Klärschlamms gehört die Zukunft. Zwar wird noch mancherorts das Material als Dünger in der Landwirtschaft ausgebracht, was beim Abwasserzweckverband Südholstein aufgrund der Schadstoffbelastung nicht möglich ist, jedoch setzen viele Landesregierungen aus ökologischen Gründen auf die Verbrennung.

Die Bundesregierung habe in ihrem Koalitionsvertrag den Ausstieg aus der Landwirtschaft festgeschrieben, berichte Miriam Fehsenfeld, Pressesprecherin des azv. Bayern und Baden-Württemberg seien bereits draußen. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen arbeitet man an dem Ausstieg. Ab 2025, so die Große Koalition, darf nur noch thermisch wiederverwertet werden. Die im Klärschlamm enthaltenen Nährstoffe aus den Düngemitteln der Landwirtschaft sollen ebenfalls recycelt werden.

Vorreiter in Schleswig-Holstein sind also der Abwasser-Zweckverband, die Entsorgungsbetriebe Lübeck und die Stadtentwässerung Kiel mit ihrem Plan, eine zentrale Klärschlammverbrennung zu schaffen. Dazu soll ein kommunaler Verbund geschnürt werden. „Gemeinsam könnten wir eine solche Anlage wirtschaftlich betreiben und hätten zudem einen langfristig sicheren Entsorgungsweg“, erklärt Dr. Julia Weilbeer, Geschäftsbereichsleiterin Produktion des Abwasser-Zweckverbandes.

Rund 135000 Tonnen Klärschlamm sollen jährlich auf diese Weise verwertet werden. Achtzig Prozent kämen von den drei Betreibern. Den Rest könnten andere kommunale Entsorger anliefern. Einen Standort für die Anlage hat man noch nicht ausgeguckt. Gelingt es einen Platz mit Anschluss an ein Fernwärmenetz zu finden, könnte ein Beitrag zur nachhaltigen Wärmeversorgung der Region geleistet werden. Beim azv gibt es vonseiten der Politik ein grundsätzliches Okay zur gemeinsamen Klärschlammverbrennungsanlage. In Kiel und Lübeck ist man noch nicht so weit. (tp)

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