Abschuss einer Rinderherde : Anzeige gegen Ordnungsamt

Zwei Wochen nach der Tötung von 21 Hochlandrindern und Galloways in Bokholt-Hanredder hat die Tierschutzorganisation Peta jetzt Anzeige gegen den Leiter des Ordnungsamtes Rantzau, Mitarbeiter des Kreisveterinäramtes und fünf Jäger erstattet. Zur Begründung hieß es gestern, der Abschuss sei vorschnell angeordnet worden.

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02. Dezember 2014, 21:39 Uhr

Noch ist nicht bis ins Detail geklärt, was genau am 18. November passiert ist. Fest steht, dass die Herde, die einem Landwirt aus Bullenkuhlen gehörte, die Weide verlassen hatte. Ob das Gatter nicht richtig verschlossen war oder die Tiere die Zäune niedertrampelten, ist Gegenstand der immer noch laufenden Ermittlungen.

Offenbar gelang es aber nicht, die Rinder wieder einzufangen. Sie seien völlig verwildert, scheu und nicht mehr zu bändigen gewesen, sagte der Leiter des Ordnungsamtes Rantzau, Rainer Schattauer, nach seiner Entscheidung, die Tiere erschießen zu lassen. Offenbar gab es Befürchtungen, sie könnten auf die Landstraße zwischen Barmstedt und Elmshorn oder sogar auf die Autobahn23 laufen. Augenzeugen berichteten nach dem Abschuss, rund um die Weide habe sich ein Bild des Grauens geboten. Das Fleisch wurde mittlerweile entsorgt, wegen der Tötung war es nicht zum Verzehr geeignet.

Immer wieder soll es in den Wochen zuvor Probleme mit den Rindern gegeben haben. Das bestätigte auch der Naturschutzbund Elmshorn als Verpächter der Weide. Demnach waren die Tiere mehrfach ausgebrochen und auf benachbarte Weiden gelaufen, attackierten nach offiziellen Angaben sogar eine Radfahrerin.

Während Landwirte wie der Kreisbauernvorsteher Georg Kleinwort die Entscheidung als alternativlos verteidigten, haben Naturschutzverbände Schattauers Anweisung heftig kritisiert. „Der schonungslose Umgang mit den Tieren ist erschreckend“, sagte Peta-Rechtsanwalt Krishna Singh. Behörde und Jägerschaft hätten die Herde in Wildwest-Manier abschießen lassen, ohne tiergerechte Möglichkeiten wie Betäuben oder Einfangen zu ergreifen.

Singh sieht den Abschuss „nicht durch einen vernünftigen Grund gerechtfertigt“ und bewertet ihn dementsprechend als Straftatbestand. Auch Peta-Sprecherin Jana Fuhrmann betonte gestern, Betäuben oder Einfangen wären die tierschutzrechtlich richtigen Optionen gewesen. „Es ist möglich, auch große Tiere durch gezielte Betäubungsschüsse von Straßen und anderen Orten fernzuhalten“, sagte sie.

Peta hofft nun nach Angaben Jana Fuhrmanns und Krishna Singhs auf eine „neutrale und gründliche Aufarbeitung der Geschehnisse durch die Strafverfolgungsbehörden“.

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