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Bootstour : Am Strand wird es lebensgefährlich

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Während einer Bootstour auf der Elbe haben die Grünen am Wochenende gezeigt, welche Auswirkung die Elbvertiefung jetzt schon auf die kleinen Häfen hat: Der ursprünglich auf eine Nacht begrenzte Zwischenstopp im Uetersener Hafen dauerte länger als geplant. Der 1977 nachgebaute britische Krabbenkutter, mit dem die Partei am Sonnabend von Wedel nach Uetersen schipperte und gestern wieder zurück wollte, saß trotz Hochwassers im Schlick fest.

Helmuth Kruse, 63, Direktkandidat der Grünen für den Bezirk Uetersen-Wedel: „Der immer stärker werdende Flutstrom auf der Elbe drückt den Sand in die Seitenarme bis in die kleinen Häfen.“

Uetersen trifft das auch wirtschaftlich: Nachdem vor wenigen Jahren das Hafenbecken ausgebaggert worden war, konnte das Maschinenbauunternehmen Hatlapa seine tonnenschweren Winden wieder per Schute abtransportieren lassen. Das ist Vergangenheit und damit auch die Belebung des Uetersener Hafens. Jetzt liegen dort fast nur noch Freizeitsegler im Schlick und hoffen, dass das nächste Hochwasser ausreicht, um weiterzusegeln. Einzig die Papierfabrik StoraEnso kann hier ihre Rohstoffe mit Binnenschiffen transportieren.

Kruse fordert: „Die Stadt Hamburg, die für diese Verschlickung verantwortlich ist, muss zahlen, damit der Transport zur Papierfabrik aufrechterhalten und auch weitere Nutzungen im Stichhafen möglich sind.“

Seit mehr als 100 Jahren wird die Elbe ausgebaggert, damit große Schiffe den Hamburger Hafen erreichen. Doch wenn es nach den Grünen geht, ist jetzt die Grenze erreicht. „Noch tiefer und breiter darf der Fluss nicht mehr werden. Kosten und Nutzen stehen in keinem Verhältnis, und die Gefahr einer Katastrophe wächst“, sagt Eka von Kalben, Landesvorsitzende der Grünen und Direktkandidatin in Pinneberg-Nord.

Sicherheitstechnische, ökologische und finanzielle Argumente sprechen aus Sicht der Grünen gegen die weitere Vertiefung. Kandidat Helmuth Kruse: „Mit dem Ausbau wächst die Gefahr, dass die Deiche die immer größeren Wassermassen im engen Flussbett bei einer schweren Sturmflut nicht mehr halten. Der Salzgehalt im Wasser der Unterelbe wird außerdem immer höher, so dass die Obstbauern das Elbwasser nicht mehr nutzen können und das weltweit einzigartige Süßwasserwatt vor Fährmannssand versandet.“

Durch die möglichen Begegnungen zwischen den riesigen Massengutschiffen würden zudem die touristischen Anstrengungen ad absurdum geführt. „Wer an der Elbe lebt, weiß, wie ein großes Schiff das Wasser erst anzieht und dann wieder ans Ufer drückt.“ Hunderttausend Tonnen Gewicht würden durch das Wasser geschoben, lebensgefährliche Flutwellen könnten die Folge sein.

Verbreiterung und Vertiefung in der geplanten Form hält Kruse auch aus finanziellen Gründen nicht für sinnvoll. „Selbst die größten Schiffe können den Hafen anfahren, allerdings tideabhängig.“ Kein Schiff fahre voll beladen in den Hafen, so dass nie der maximale Tiefgang erreicht werde und es ausreiche, mit der Flutwelle rein- und wieder herauszufahren. Gleichzeitig wiederholte Kruse seine Forderung nach einem deutschen Hafenkonzept und erteilte der „nationalen Konkurrenz“ zwischen den Häfen eine Absage.

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erstellt am 29.Apr.2012 | 21:02 Uhr

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