Neugründung : Altes Handwerk im Dorf hochhalten

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In Hetlingen halten die Bandreißer ihr Handwerk hoch. In Haselau bildete sich im Mai eine Gruppe von Reepschlägern. Wie die Bewohner des Nachbardorfs wollen auch sie eine alte landwirtschaftliche Tradition mit Leben füllen.

shz.de von
27. Juli 2015, 19:04 Uhr

„Es ist mir wichtig, dass wir die Reepschläger-Fertigkeit erhalten“, sagte Horst-Dieter Günther, Vorsitzender des Vereins für Sammlung und Erhalt historischer Gegenstände in Haselau, bei einer Vorführung des Handwerks. Er regte die Bildung der Gruppe an. Ernst Semmelmann übernahm die Leitung. Constantin Michael, Frank Schumacher, Klaus Schwerin, Dieter Richert, Hans Plüschau, Gert Richert und Jonny Carstens beteiligen sich.

Reepschläger drehen Seile. Das Wort „Reep“ ist mit dem englischen Begriff „rope“ verwandt, der „Seil“ bedeutet. „Schlagen“ bezeichnet den Vorgang, mit dem mehrere Bänder zu einem Tau zusammengedreht werden. So erläutert es der Verein in einem neuen Faltblatt über die Reepschläger. Demnach wird das Handwerk an der Küste seit dem 13. Jahrhundert ausgeübt. In Haselau nutzten die Bauern früher die Winterzeit aus, um Seile herzustellen. Sie verarbeiteten dazu Bänder, mit denen Strohballen zusammengeschnürt wurden. Sobald das Stroh verfüttert wurde, sammelten sie die Schnüre, schnitten die Endknoten ab und verknüpften sie miteinander. Sie spannten vier Bänder über mehrere Meter zwischen ein sogenanntes Seilgeschirr und eine Spinnmaschine und drehten sie zu einem Seil zusammen. In früheren Jahrhunderten stellte die Schifffahrt einen großen Abnehmer dar. Mit dem Aufkommen der Dampfschifffahrt im 19. Jahrhundert wurde die Reepschlägerei aber immer weniger gebraucht. Ernst Semmelmann und Hans Plüschau hatten das Handwerk als Kinder auf dem Bauernhof gelernt. „Wir brauchten die Seile, um das Vieh anzubinden“, sagte Plüschau. Früher besaß fast jeder Landwirt ein Gerät zur Seilherstellung. Der Verein übernahm drei Exemplare, die er in der Historischen Sammlung Haselau ausstellt. Hin und wieder empfängt er Gruppen von bis zu 50 Touristen, die per Bus anreisen. Günther zeigt einem Teil der Gäste dann die Ausstellungen, während die Reepschläger dem anderen Teil ihr Handwerk vorführen. Damit sie in einheitlicher Kleidung auftreten, stattete Günther die Seilhersteller mit dunkelroten Polohemden aus. Sie tragen vorn die Aufschrift „Reepschläger“ und hinten „Historische Sammlung Haselau“.

Die Kosten übernahmen die Firmen Freudenberg in Hohenhorst, Landmaschinen Behrens in Haselau und der Bierbahnhof in Uetersen. www.historische-sammlung.de

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