Mölln Hof eröffnet Saison : Altes Handwerk fasziniert noch heute

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Es gibt sie noch: Junge Familien mit Begeisterung für alte Traktoren, historische Maschinen und das Handwerk von früher. Bestes Beispiel sind Cristina Conrad und ihr fünfjähriger Sohn Robin Leon. Sie traten jüngst der Gemeinschaft zur Erhaltung von Kulturgut in Tornesch bei. „Ich finde es wichtig, dass Kinder mitkriegen, welche Arbeitsprozesse es früher gab, die heute durch Maschinen abgelöst worden sind“, betonte die Mutter gestern am ersten Öffnungstag des Jahres des volkskundlichen Museums Mölln Hof.

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03. Mai 2015, 19:47 Uhr

Besonders schön sei, dass die Kinder in der Ausstellung Vieles anfassen dürften. „Sie sehen, wie schwer ein Hobel ist und wie dick Leder ist“, sagte die Tornescherin.

Gestern konnten die Besucher des Hofes Schafswolle anfassen und deren Verarbeitung zusehen. Kinder und Erwachsene umringten Elisabeth Bothfeld am Spinnrad und Maren Röttgers am Webstuhl. An kleineren Geräten durften Mädchen und Jungen das Weben ausprobieren.

Elisabeth Bothfeld aus Elmshorn hatte Wolle der Schafsrasse der Schnucken mitgebracht. „Sie lässt sich sehr gut spinnen, weil sie langfaserig ist“, erläuterte sie. Das Spinnrad drehe die einzelnen Haare umeinander, sodass sie Festigkeit erhielten.

Vor dem Spinnen muss die Wolle gereinigt werden. Bothfeld wäscht sie dreimal mit Regenwasser und legt sie dann in eine 60 bis 70 Grad heiße Seifenlauge ein, bis sich das Fett herauslöst. Dann spült Bothfeld sie dreimal, schleudert sie und bereitet sie zum Trocknen im Garten auf Bettlaken aus. „Sie wird ganz locker“, berichtete sie. Ein Fettrest bleibe in den Fasern hängen, der für das Kämmen, Kadierung genannt, notwendig sei. Bothfeld webt Teppiche, Schals, Trocken- und Handtücher.

Wie das funktioniert, führte Maren Röttgers aus Seester an einem Webstuhl vor. Auf einem Querbalken, dem Kettbaum, werden Kettfäden aufgewickelt. Sie werden durch die Ösen sogenannter Litzen gezogen, die an vier Schäften hängen, und an dem Warenbaum vor dem Bauch der Weberin befestigt. Diese kann die Schäfte durch Fußpedale bewegen und dadurch die Kettfäden auffächern. Durch die Fächer schiebt sie das Schiffchen mit dem Schussfaden, den sie mit einer Lade an das gewebte Stück heranschlägt.

Röttgers fertigt Wolldecken, Tischläufer, Schals und Handtücher an. Die Frauen verkaufen ihre Produkte unter anderem auf Märkten.

Die Vorführung „Wäschewaschen wie früher“ fiel krankheitsbedingt aus. Wer in dem Verein mitarbeiten will, besuche die Mitgliedertreffen dienstags von 18.30 bis 20.30 Uhr auf dem Mölln Hof, Bockhorn 43.

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