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Uetersen will Fakten schaffen : Alter Turm sucht neuen Herren

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Der rund 40 Meter hohe Wasserturm an der Birkenallee sucht einen neuen Eigentümer, der solvent genug ist, ihn zu unterhalten und ihm das zukommen zu lassen, was seiner würdig ist. Schließlich handelt es sich bei dem Stahlbetonbau um ein eingetragenes „Technisches- und Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“ im Sinne von § 5 des Denkmalschutzgesetzes. Zudem ist es die erste Stahlbetonbaukontruktion ihrer Art in Schleswig-Holstein.

shz.de von
erstellt am 28.Aug.2012 | 21:30 Uhr

Das Problem des Turms: Er liebt den Euro, beziehungsweise benötigt 126000 Einheiten davon, um auch in Zukunft die Standsicherheit aufzuweisen, die man von einem so bedeutenden Bauwerk der Menschheit erwarten darf.

Jüngst hatten sich die Mitglieder des Hauptausschusses mit dem Turm, der 1925 bis 1926 von Dykerhoff & Widmann erbaut wurde, zu befassen. Der Ausschuss ist auch zuständig für die Finanzen der Stadt. Und weil es um diese schon seit vielen Jahren nicht gerade üppig bestellt ist, wollte man der Verwaltungsvorlage, mit der vorgeschlagen wurde, Haushaltsmittel zur Sanierung des Turms zur Verfügung zu stellen, nicht folgen. Da gebe es ganz andere Dinge, die erhaltenswert seien, so die Ansicht im Ausschuss. Außerdem könne es Uetersen nicht zugemutet werden, den Turm, der seit 1967 nicht mehr gebraucht werde, zu erhalten. Die Stadt habe andere Verpflichtungen. So wurde der Beschluss gefasst, den Turm abreißen zu lassen. Auch das wird wohl nicht gerade billig, kann er doch weder gesprengt noch per Bagger umgerissen werden. Die ihn umgebende Wohnbebauung reicht viel zu dicht an ihn heran.

Und dann gibt es eine weitere Hürde: die Untere Denkmalschutzbehörde. In Pinneberg hat man inzwischen hörbar Schnappatmung bekommen. Der Uetersener Sonderweg sei nicht genehmigungsfähig, wurde den Politikern und der Verwaltung bereits signalisiert. Der Stadt sei es sehr wohl zuzumuten, den Wasserturm zu erhalten. Auf UeNa-Nachfrage konkretisierte Kreissprecher Marc Trampe: „Ein Abbruchantrag wird entsprechend geprüft. Aus denkmalpflegerischer Sicht ist der Turm erhaltenswert. Wir würden Uetersen auf der Suche nach Fördergeldgebern unterstützen.“ Und: „Wenn jemand den Wasserturm kaufen würde, dann ist die Denkmalschutzbehörde gerne beratend tätig.“ Alle Warnungen in den Wind schlagend und mit breiter Brust, spätestens in Kiel, bei der Oberen Denkmalschutzbehörde zu siegen, fasste man den Beschluss, den Abriss voranzutreiben. Jetzt ist der Kreis gefragt, der sich somit einmal mehr mit der Stadt befassen darf. Ingo Struve (SPD), Vorsitzender des Hauptausschusses, sagte im UeNa-Gespräch, dass er die Haltung der Denkmalschützer im Kreis PInneberg schon lange nicht mehr nachvollziehen könne. Zum einen habe man die sture Haltung der Behörde beim Ausbau des behindertengerechten Fußweges in Langes Tannen erlebt, und dann befasse sich das Amt sogar mit dem Elmshorner Rathaus und erkenne darin ein Denkmal. Man habe in Pinneberg wohl nichts anderes, mutmaßte der SPD-Mann.

Wer behält am Ende die Nase vorne? Die Eigentümerin, die den Turm 1985 von der Schleswag erwarb, um ihn vor dem Abriss zu bewahren (!), oder die Denkmalschützer im Kreis und in Land?

Diese Messe ist noch lange nicht gesungen. Auseinandersetzungen mit dem Kreis und der rebellischen Rosenstadt haben in der Vergangenheit schon oft für Aufsehen gesorgt. Insider sind sich daher sicher, dass es auch bei der Wasserturmfrage nicht anders sein wird.

Es sei denn, es findet sich noch ein Käufer, der ein Herz für marode Türme hat, die in der Landschaft herumstehen und auf eine sinnvolle Verwendung warten.

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