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Dilemma : Altenheime und Betreutes Wohnen im Fokus der Politik

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Sieht so die Zukunft aus? Demnächst werden Seniorenwohnanlagen aus dem Boden schießen. Betreutes Wohnen beherrscht das Stadtbild. Wie auch Seniorenheime in idyllischer Lage. Aus Spielplätzen werden Bauplätze, überall entstehen Ruhezonen, barrierefrei erreichbar. Das gesamte Stadtbild wird den Bedürfnissen der älteren Generation angepasst. Verknüpft mit der Vorstellung nach absoluter Ruhe. Junge Menschen und ihre Bedürfnisse spielen keine Rolle mehr. Denn es ist niemand mehr da, der sie verwirklichen hilft.

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2015 | 18:05 Uhr

Das sicherlich stark überzeichnete Szenario findet abgeschwächt bereits statt. Zu passiv verhält sich der Nachwuchs. Die ohnehin recht kleine Gruppe innerhalb der Gesellschaft mag sich nicht beteiligen, wenn es darum geht, Dinge auf den Weg zu bringen. Und dabei die eingefahrenen Pfade der Politik beschritten werden müssen, weil nur so die Wünsche auch Wirklichkeit werden können.

In Uetersen soll(te) im November ein Jugendbeirat gewählt werden. Doch bis gestern lag im Rathaus nur eine Bewerbung vor. Vier weitere Kandidaten werden noch gesucht. Und zwar bis heute Abend um 18 Uhr. Sonst fällt die Wahl aus und damit schwindet der Einfluss der Jugend auf das politische Geschehen.

In allen Parteien haben sich Nachwuchssorgen längst breit gemacht. Politiker verharren auf ihren Plätzen, weil sie sich genötigt sehen, dem Gemeinwohl zu dienen. Manche würden gehen, wenn der Nachwuchs drängelt. Das tut er aber nicht.

Die Beteiligungsmöglichkeiten der Jugend vor Ort waren noch nie so gut wie heute. Die Kommunalverfassung verlangt das Mitwirken der Jugend an politischen Entscheidungen. Was aber tun, wenn die das gar nicht will? Raus mit dem Passus aus der Gemeindeordnung, um Rechtssicherheit zu schaffen? Vielleicht geschieht das bald.

Dumm nur, dass der Zug dann gänzlich an den Bedürfnissen der jungen Menschen vorbeizufahren droht.

Und dabei hatte man in Uetersen gerade Hoffnung geschöpft. Erst vor zwei Jahren formierte sich ein Jugendbeirat, der sich recht forsch in das Parlamentsgeschehen einbrachte. Doch diese Gruppe ist nun weg, ob es im November eine neue gibt, wird immer unwahrscheinlicher. Das ist besonders vor dem Hintergrund blöd, dass aktuell die Räume für das vom alten Jugendbeirat befürwortete Jugendcafé seiner offiziellen Bestimmung übergeben worden ist. Für bislang 12500 Euro wurden Räume im früheren Jugendzentrum an der Berliner Straße, gelegen direkt neben der Bücherei, renoviert und dabei auch umgebaut. Auf Kosten des Vereins zur Förderung Uetersener Jugendprojekte. Jetzt fehlt es an einem Betreiber. Um diesen, so die Beschlusslage, soll sich der neue Jugendbeirat kümmern.

Was passiert, wenn das Café niemals öffnet? Dann könnte das gesamte Gebäude demnächst städtebaulichen Zielen „zum Opfer“ fallen. Das muss die Jugend wissen, die sich bislang verweigert obwohl sie herzlich willkommen ist im Rat der Stadt. Daher ein weiterer Versuch: Wer heute im Rathaus unter der Telefonnummer 04122/714276 (Hanna Wegner) anruft und seine Kandidatur erklärt, ist dabei. Bewerbungsunterlagen können direkt im Rathaus ausgefüllt und dort auch abgegeben werden. Zur Ehrenrettung der Lokalpolitiker, der Verwaltung und auch des Seniorenbeirats ist zu erwähnen, dass alle Seiten bemüht sind, sich für die Ziele junger Menschen einzusetzen, allerdings aus ihrem Verständnis heraus. Und es ist zu vermuten, dass dieses nicht immer deckungsgleich mit den Vorstellungen Heranwachsender ist.

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